Die IAA Mobility feiert sich - Protestierende fühlen sich gegängelt

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Collage IAA Mobility und Proteste

 

Das war die neue IAA: Unter dem Namen IAA MOBILITY soll sie als erste Plattform für die Mobilität der Zukunft die verschiedensten Verkehrsträger vom Auto über Fahrrad bis hin zu digitalen Lösungen und der Urban Air Mobility unter einem Dach zusammenfhren. Für die Veranstalter ein Erfolg, alle die, die protestiert haben, sind skeptisch.

„Wir haben einen mutigen Schritt gemacht und wurden von den Besucherinnen und Besuchern belohnt“, glaubt Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), der die IAA MOBILITY in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit der Messe München veranstaltet hat. „400.000 Teilnehmer in nur sechs Tagen sind eine deutliche Abstimmung mit den Füßen. Die Besucher zeigten sich überaus interessiert und begeistert von den Angeboten der IAA MOBILITY."

Die IAA MOBILITY sei nun die größte Mobilitätsveranstaltung der Welt. Neue Elektro-Autos, Fahrräder, e-Scooter, Energiepolitik und Stadtplanung, Digitalisierung und weitere Themen seinen zusammen präsentiert und diskutiert worden. "Auf der IAA MOBILITY Conference haben wir zudem lebhafte Diskussionen auf dem Weg zur neuen Mobilität erlebt", so Hildegard Müller.

Kreative Proteste

Zahlreiche Proteste hatten die IAA Mobility begleitet, von Autobahnblockaden bis hin zu Fahrraddemos zogen auch die Kritiker*innen alle Register.
So hatten etwa 25.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in München anlässlich der IAA mit einer großen Fahrrad-Sternfahrt und Fußgängerdemo für eine "echte" Mobilitätswende demonstriert. Unter dem Motto #aussteigen forderte die bunte Demo eine klare Abkehr von der autodominierten Verkehrspolitik und Vorrang für den Fuß-, Rad- und Nahverkehr. Die Politik müsse sich endlich aus der erdrückenden Umarmung der Automobilindustrie befreien, um einen klimafreundlichen Verkehr für alle zu ermöglichen, so das Bündnis aus ADFC, Attac, BUND, Campact, DUH, Greenpeace, NaturFreunde Deutschlands und VCD, das zu den Protesten aufgerufen hatte.

„Es ist ein starkes Zeichen für die Mobilitätswende, dass zehntausende Menschen aus ganz Deutschland unserem Aufruf gefolgt sind – trotz der vielen Stolpersteine, die uns die Behörden bis zur letzten Minute in den Weg gelegt haben. Die Menschen wollen eine andere Verkehrspolitik, konsequenten Klimaschutz im Verkehr und gute Alternativen zum eigenen Auto. Und sie fallen nicht auf die grünen Blinkmanöver der Automobilindustrie auf der IAA herein. Vorfahrt allein fürs Auto ist vorbei, dicke Spritschlucker und Platzfresser sind nicht mehr zeitgemäß. Wir wollen eine Politik, die Rad, Fuß, Bus und Bahn klar priorisiert und Klimaschutz im Verkehr ernst nimmt“, so das Bündnis.

Eine #aussteigen-Radstafette aus Frankfurt war bereits am 6. September Richtung München aufgebrochen. Am frühen Morgen starteten große Gruppen von Radfahrenden unter anderem aus Regensburg, Augsburg und Rosenheim zur großen Fahrraddemo. Insgesamt 16 Fahrradrouten mit zehntausenden Menschen aus dem ganzen Münchner Umland führten zur Fußgängerdemo in der Münchner Innenstadt. Auf der letzten Etappe der Sternfahrt schloss sich eine Kinderdemo an, bei der zahlreiche Familien sichere Wege besonders auch für Kinder forderten. Bei der großen Abschlusskundgebung auf der Theresienwiese forderte das Demo-Bündnis die faire Verteilung des öffentlichen Raumes mit Vorrang für den Fuß- und Radverkehr, den massiven Ausbau von Bus und Bahn und klimaneutralen Verkehr bis 2035.

Corona-Prüfstein

Neben der Diskussion um die Zukunft des Verkehrs war die Messe auch ein Gradmesser für derartige Großveranstaltungen unter Corona-Bedingungen. „Diese neue IAA MOBILITY ist ein starkes Zeichen an die Welt, dass internationale Messeveranstaltungen in Deutschland wieder möglich sind“, sagt dazu Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München. „Wir können solch große Veranstaltungen sicher durchführen, das Schutz- und Hygienekonzept hat hervorragend funktioniert. Die Aussteller und Besucher haben sich an die Regeln gehalten und auch viel Verständnis gezeigt.“

Die Basis seien eine kluge Wegeführung, konsequente Zugangskontrollen auch im Open Space, gute Belüftung der Messehallen, Abstandsregeln, Mund- und Nasenschutz sowie 3G (geimpft, genesen, getestet, wobei der Test nicht älter als 24 Stunden sein darf). Alle Beteiligten haben die Regeln gut akzeptiert und so ein sicheres Messeerlebnis möglich gemacht.

Behörden erschweren zivilgesellschaftlichen Protest

„Die Stadt München hat sich als großartiger Gastgeber für die IAA MOBILITY präsentiert und nachhaltige Potentiale für den Standort gesehen", ergänzte Klaus Dittrich noch dazu, doch das sehen viele Protestierende anders. Die Organisation der #aussteigen-Demo wurde etwa nach Angaben des ADFC im Vorfeld erheblich durch die bayerischen Behörden erschwert. Mehrere Routen mussten demnach wenige Tage vor der Demo umgeplant werden, die Führung über Autobahnabschnitte wurde gänzlich untersagt. Der Alltagsradverkehr in München war während der IAA erheblich behindert. Das Bündnis kritisierte die Ungleichbehandlung der Zivilgesellschaft gegenüber der Automobilindustrie bei der Nutzung des öffentlichen Raums scharf. Insgesamt also kein guter Start in die neue und offene Diskussion.

Daten zur IAA Mobility

  • Auf der IAA MOBILITY 2021 haben sich nach Angaben der Messe insgesamt 744 Aussteller präsentiert. Dabei waren Autohersteller mit insgesamt 98 Ausstellungsflächen, 75 Fahrradmarken, 152 Zuliefer-und Tech-Unternehmen sowie 78 Startups.
  • Mehr als 40 nationale und internationale Partner und Sponsoren aus dem Bereich Industrie, Dienstleistungen, Medien und Wissenschaft hätten sich auf der IAA MOBILITY 2021 engagiert und Wissen und Expertise beigesteuert.
  • Die IAA MOBILITY habe insgesamt 260.000 qm Veranstaltungsfläche belegt, davon 195.000 qm auf dem Messegelände und 65.000 qm in der Münchner Innenstadt. Auf der sogenannten Blue Lane wurden insgesamt 255 Fahrzeuge eingesetzt, die für insgesamt rund 7.000 Testfahrten gebucht wurden.
  • Auf der IAA MOBILITY haben 936 Redner Ideen und Innovationen zu allen Bereichen der Mobilität präsentiert und ausgetauscht. Das Bürgerforum Citizen Lab direkt vor dem Münchner Rathaus habe in sechs Tagen 42 Stunden Programm mit Diskussionen rund um die Mobilität von morgen angeboten.
  • Insgesamt konnte die IAA MOBILITY nach eigenen Angaben 400.000 Teilnehmer und 3.500 Journalisten aus 95 Ländern begrüßen. Damit liege die neue IAA MOBILITY 32 Prozent über dem Mittelwert der Tagesbesucher der letzten IAA in Frankfurt, und dies trotz der bestehenden Corona-Beschränkungen im internationalen Reiseverkehr.
  • 67 Prozent der Besucher waren jünger als 40 Jahre. 86 Prozent der Besucher bewerten das Konzept der IAA MOBILITY demnach als gut und sehr gut. Besonders positiv bewertet wurde die Mischung der Aussteller und die Möglichkeit, Neuheiten direkt testen zu können.
  • Die internationale Medienreichweite (pot.) der IAA MOBILITY 2021 betrug nach offiziellen Angaben mehr als 137 Mrd. Aufrufe weltweit. Die 140 Mio. Page Impressions verzeichneten die Social Media-Kanäle der IAA MOBILITY. Allein auf youtube und TikTok wurden die Beiträge der IAA MOBILTIY mehr als 38 Mio. mal aufgerufen.

 
„Wir werten die Erfahrungen nun aus und entwickeln das Konzept weiter, um auf der nächsten IAA MOBILITY ein nochmals breiteres Spektrum von Ausstellern begrüßen zu können und den Dialog über die Zukunft der Mobilität weiterzuführen. Ich bin sicher, dass wir nach einem Ende der Pandemie in 2023 auch viele internationale Aussteller begrüßen können, die dieses Mal wegen der Reisebeschränkungen noch nicht dabei sein konnten“, sagt Hildegard Müller.

Die nächste IAA MOBILITY findet vom 5. bis 10. September 2023 in München statt.

Unabhängig vom Veranstaltungsformat im München soll die IAA MOBILITY mit der Website www.iaa.de  zur weltweiten digitalen Plattform für die Transformation der Mobilität hin zur Klimaneutralität, für Neuheiten im Bereich Automobile, Bike, Scooter, Car- und Ridesharing, Digitalisierung und Stadtentwicklung werden.

 

Bilder: IAA Mobility - ADFC / Hase

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