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Alpenvereine: Wintersport ja, Wettlauf um Skigebiete nein

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Hochgebirge Gletscher

 

Die Wintersportsaison beginnt. Viele Skigebiete haben bereits geöffnet, einige ziehen in den nächsten Tagen und Wochen nach. In die Freude auf den Winter mischt sich allerdings auch Sorge. Angesichts von Klimawandel, Artensterben und Overtourism stellen sich viele Menschen die Frage: Wie soll der alpine Skisport der Zukunft aussehen?

Als große gesellschaftliche Akteure mit viel einschlägiger Erfahrung sehen sich die Alpenvereine in der Pflicht, ihren Standpunkt in diese Debatte einzubringen. Zudem findet aktuell der internationale „Tag der Berge“ statt, welcher ein Bewusstsein für die Möglichkeiten, Probleme und Herausforderungen der Berglandschaften in der Gesellschaft schaffen soll.

Die Alpenvereine akzeptieren bestehende Skigebiete

Rund die Hälfte der Alpenvereinsmitglieder fährt aktiv Ski. Im Vereinsleben spielt Skifahren deshalb eine wichtige Rolle – in all seinen Facetten. Zwar zählt der Pistenskilauf nicht zu den Kernsportarten in den Alpenvereinen – als Basis und Grundlage für das Skibergsteigen sei er allerdings unumstritten. Alleine schon deshalb habe er seinen festen Platz in der Ausbildung der Sektionen. Die Alpenvereine sehen aber nicht nur die sportliche Bedeutung des alpinen Wintersports. Er sei kulturell und historisch im Alpenraum tief verwurzelt, die Skigebiete stellten einen wichtigen Pfeiler im breiten touristischen Angebot der Alpen dar.

Die Alpenvereine sehen aktuelle Entwicklungen kritisch

Zu einer tragfähigen Zukunft des alpinen Wintersports in den Alpen gehöre zweifelsfrei der Erhalt und die Modernisierung von Skigebieten innerhalb der bestehenden Grenzen. Allerdings stellen sich die Alpenvereine gegen den Wettlauf um immer mehr Pistenkilometer und immer größere Skigebiete und Zusammenschlüsse. Insbesondere seien sie gegen so genannte Erweiterungen, die Neuerschließungen gleich kommen, und fordern einen Erschließungsstopp für unerschlossene Geländekammern sowie einen umfassenden Gletscherschutz. Denn dabei gehe ein rar gewordenes Gut für immer verloren: intakte Naturlandschaft. Die Alpen seien bereits jetzt das mit großem Abstand am intensivsten genutzte Hochgebirge der Welt.

Geplanter Zusammenschluss Pitztal-Ötztal

Doch der Nutzungs- und Erschließungsdruck auf die letzten alpinen Freiräume sei größer denn je. Das zeige auch der geplante Zusammenschluss der Pitztaler und Ötztaler Gletscherskigebiete. 64 Hektar neue Pistenfläche, drei neue Gondelbahnen und ein neues Seilbahnzentrum unterhalb der Braunschweiger Hütte stellten zweifelsfrei einen massiven Eingriff in eine hochsensible Natur dar.

Mit dem Gebiet rund um den Linken Fernerkogel und den Gletschern Karlesferner, Hangender Ferner und Mittelbergferner würde zugunsten des Massentourismus eine gänzlich ursprüngliche und intakte Hochgebirgslandschaft endgültig zerstört werden. Dabei sollen Gletschervorfelder und Gletschereis für Pisten und Seilbahnstationen abgesprengt, eingeebnet und aufgeschüttet sowie ein Berggrat östlich des Linken Fernerkogels um 36 Höhenmeter abgetragen (120.000 m³) werden, um Platz für eine Seilbahnstation zu schaffen.

Betrachte man das Ausmaß dieser Erschließung, ist der Begriff "Zusammenschluss" wohl eher irreführend. Es entstehe vielmehr ein neues Skigebiet. Daher machten sich der Deutsche, der Südtiroler und der Österreichische Alpenverein für den Erhalt alpiner Freiräume stark. Gemeinsam haben der DAV und ÖAV eine unmissverständliche Stellungnahme beim Amt der Tiroler Landesregierung eingereicht. Das erklärte Ziel im kommenden Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verfahren sei es, aufzuzeigen, dass dieses Großraumprojekt niemals umweltverträglich sein kann.

Vom Prinzip her ähnliches passiere gerade in Südtirol im Obervinschgau, ebenfalls in den Ötztaler Alpen. Dort sorgt der geplante grenzübergreifende Zusammenschluss Langtaufers-Kaunertal für Zündstoff. Im weitgehend naturbelassenen Melagtal soll ein komplett neues Skigebiet aus dem Boden gestampft werden. Die Südtiroler Landesregierung konnte sich trotz negativer Umweltgutachten bisher zu keiner Entscheidung durchringen. Für die Alpenvereine sei klar: Neuerschließungen in Zeiten der Klimaerwärmung sind ein Tabu.

Unsere Alpen sind schön. Noch. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen.

So lautet der Slogan der internationalen Alpenvereins-Kampagne #unserealpen. Schönheit und Bedrohung – im alpinen Wintersport lägen sie nahe beieinander. Skifahren begeistere viele, der alpine Wintersport greife aber in den Naturraum ein. Umso wichtiger sei es im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums, gerade in diesem Feld die richtigen Weichen zu stellen. Die Alpenvereine kämpfen dafür und möchten einer breiten Öffentlichkeit deutlich machen, wie einzigartig, vielfältig und wertvoll die Alpen sind und dass dieser Natur- und Kulturraum massiv bedroht ist.

www.unsere-alpen.org
www.alpenverein.at

Foto: Serghei Vlasenco