BZT-Jahrestagung in Landshut diskutiert Zukunft des bayerischen Tourismus

Das Bayerische Zentrum für Tourismus hat seine Jahrestagung am 19. und 20. Mai 2026 in Landshut durchgeführt. Rund 100 Teilnehmende aus Tourismus, Wissenschaft, Politik und Praxis berieten, wie sich der bayerische Tourismus im Spannungsfeld globaler Entwicklungen und regionaler Identität zukunftsfähig aufstellen kann.
Zum Auftakt warb Dr. Alexander Fink, Gründer und Vorstand der ScMI Scenario Management International AG, für eine stärkere Arbeit mit Zukunftsszenarien. „Viele Voraussagen über die Zukunft sind in der Vergangenheit nicht eingetreten“, sagte Fink. Sichtbare Trends reichten aus seiner Sicht nicht aus, um Entwicklungen verlässlich zu beurteilen. Er forderte, „ausgetretene Pfade“ zu verlassen und Szenarien zu entwickeln, die unterschiedliche Verläufe frühzeitig berücksichtigen.
Zukunftsforscherin Anja Kirig knüpfte daran an und verwies auf die Verflechtung globaler Krisen. Sie plädierte für einen Perspektivwechsel im Tourismus, der Lebensraumqualität, Nachhaltigkeit und Teilhabe stärker in die aktive Gestaltung einbezieht. Matthias Hickl von der Deutschen Zentrale für Tourismus unterstrich die Bedeutung internationaler Märkte für Bayern. Nach seinen Angaben verzeichnete der Freistaat 2025 rund 20,6 Millionen Übernachtungen und lag damit bundesweit vorn. Barbara Radomski, Geschäftsführerin der Bayern Tourismus Marketing GmbH, stellte Kooperation als zentrale Voraussetzung für Resilienz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit heraus.
In Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden Ansatzpunkte für mehrere Segmente. Die Diskussionen reichten von Kultur- und Bildungstourismus über Gesundheits-, Kur- und Wellnessangebote bis zu Natur- und Aktivtourismus, Events und Kulinarik. Dr. Michael Braun, geschäftsführender Vorstand des Tourismusverbands Ostbayern, hob den Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen hervor. „Das Besondere an dieser Jahrestagung war sicherlich, dass hier Experten verschiedener Disziplinen auf Augenhöhe ganz offen miteinander diskutieren konnten – und so konkrete Impulse für die strategische Weiterentwicklung touristischer Angebote entstanden sind“, sagte Braun.
Am zweiten Tag standen weitere Praxis- und Marktaspekte im Fokus. Prof. Georg Christian Steckenbauer und Prof. Erik Lindner von der Technischen Hochschule Deggendorf verwiesen im Kontext Gesundheitstourismus auf die Nachfrage nach regional verankerten Angeboten. Diana Sicher-Fritsch von der Fritsch am Berg GmbH sprach über mentale Gesundheit und Prävention. Christine Schäfer vom GDI Gottlieb Duttweiler Institute sagte, „dass Esskultur von regionaler Identität und Gemeinschaft lebt“. Tim Plasse von der F&B Heroes GmbH benannte „glokale“ Konzepte als Erfolgsfaktor. Dr. Martin Spantig thematisierte digitale Zugänge in Museen. Stefan Patermann von der Lufthansa AG skizzierte Möglichkeiten vernetzter Stopover-Programme.
Zum Abschluss betonte Hubert Bittlmayer, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, die Bedeutung eines klar erkennbaren Profils im internationalen Wettbewerb. „Bayerns Stärke liegt in der Verbindung von Identität, Qualität und Innovationskraft. Heimat ist kein Produkt, sondern das Kapital“, sagte Bittlmayer. Prof. Alfred Bauer vom Bayerischen Zentrum für Tourismus fasste die Tagungsergebnisse zusammen: „Erfolgreicher Tourismus in Bayern wird künftig dort entstehen, wo Authentizität, Kooperation und Innovationsfähigkeit zusammenkommen – und wo Gästeerwartungen und Lebensraumqualität gleichermaßen konsequent mitgedacht werden.“
Die nächste Jahrestagung des BZT soll am 11. und 12. Mai 2027 in Kempten stattfinden.
Mehr Informationen: Bayerisches Zentrum für Tourismus – BZT
Bild: © Leonhard Niederwimmer auf Pixabay
