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IHKN Fokus Niedersachsen: „Der Tourismusbranche fehlen die Arbeitskräfte“

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IHK Grafik Fachkräftemangel

 

Zwei Drittel der Gaststätten- und Hotelbetriebe in Niedersachsen haben längerfristig offene Stellen, die sie nicht besetzen können. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die die IHK Niedersachsen (IHKN) in der Branche durchgeführt hat.

„Mit einer Arbeitslosenquote im Mai 2019 von 5 Prozent in Niedersachsen leiden vor allem personalintensive Branchen unter der Situation. Das spürt auch das Gastgewerbe“, stellt Arno Ulrichs, IHKN-Sprecher Tourismus, fest. Bereits seit 2016 sehen viele Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko für die kommenden zwölf Monate. In der Saisonumfrage für das Hotel- und Gaststättengewerbe im Frühjahr 2019, an der sich knapp 600 Unternehmen beteiligt hatten, waren es rund drei Viertel der Umfrageteilnehmer. Dabei geht es inzwischen nicht mehr nur um ausgebildete Fachkräfte. Zwar gaben 85 Prozent der befragten niedersächsischen Tourismusunternehmen an, genau diese zu suchen, 42,5 Prozent suchen aber (auch) ungelernte Hilfskräfte. Fast jeder zweite Betrieb ist auf der Suche nach Auszubildenden.

„Es geht nicht mehr nur um gut ausgebildete Mitarbeiter wie Küchenchefs. In der Hauptsaison ist es mittlerweile auch schwierig, einfache Hilfskräfte zu finden, wie Küchenhilfen oder Putzkräfte“, erklärt Ulrichs die Situation.

Auf die Frage, warum die Stellen unbesetzt bleiben, antworteten rund 70 Prozent der Unternehmer, dass sich niemand auf die ausgeschriebenen Stellen bewirbt. Bei insgesamt rund 20 Prozent kommen Erwartungen von Bewerbern und Unternehmen nicht überein: In 13 Prozent der Fälle erwarten die Unternehmen ein höheres Qualifikationsniveau oder Berufserfahrung, bei sieben Prozent sind die Forderungen der Unternehmen zu hoch.

Für viele Unternehmen hat es Konsequenzen, dass Stellen langfristig nicht besetzt werden können: So gaben 33 Prozent der Unternehmen an, dass sie zu Umstrukturierungsmaßnahmen greifen. Dazu gehört beispielsweise die Verkleinerung des Betriebs oder die Anpassung von Öffnungszeiten. „Das haben wir im letzten Sommer bereits an der Nordseeküste beobachtet. Dort haben einige Restaurants Schließtage eingeführt oder ihre Anzahl an Sitzplätzen verringert, weil ihre Kapazitätsgrenze erreicht war“, berichtet Ulrichs. Das führe kurzfristig zu einer geringeren Wertschöpfung für Unternehmen und Region, langfristig stelle es aber auch eine Gefahr für die Attraktivität einer Destination dar. „Im schlimmsten Fall führt fehlendes Personal dazu, dass ein Betrieb vollständig schließt. Und wenn es an gastronomischen Angeboten fehlt, kommen die Gäste im nächsten Jahr vielleicht nicht wieder.“

Ein Lösungsansatz, den mittlerweile verschiedene Regionen erarbeiten, sei die sogenannte Lebensraumstrategie. Eine Destination wird nicht mehr nur als Urlaubsziel gesehen, sondern muss auch für die Menschen vor Ort attraktiv sein. So kann das touristische Angebot erhalten und ausgebaut werden, gleichzeitig werde die Region auch attraktiver für (potenzielle) Arbeitskräfte. Damit einhergehen auch Maßnahmen der Saisonverlängerung. „Wenn eine Region im Winter sozusagen tot und ausgestorben ist, ist sie auch für Arbeitskräfte nicht besonders attraktiv.“
Insgesamt ist die Hotel- und Gaststättenbranche jedoch mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Unternehmen blicken auf eine gute Wintersaison zurück und bewerteten die Geschäftslage besser als im Vorjahreszeitraum: Der Klimaindex kletterte von 122,3 Punkten im Vorjahr auf 131,9 Punkte.

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