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Unterm Radar des Eklats: Internationaler Workshop zum Bauhausjubiläum

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Deutschland ist nach den Ergebnissen des World Travel Monitors 2017 bei den Europäern Marktführer im Kulturreisesegment. Darüber sollten sich auf dem 2. Germany Incoming & Brand Summit, den die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) am 25. und 26. Oktober in Weimar veranstaltete, mehr als 100 Fachjournalisten, Influencer und Experten aus 20 Ländern informieren. Überlagert wurde die kulturöffentliche Wahrnehmung jedoch von dem Eklat rund um das Dessauer Bauhaus.

20 Vertreter der Auslandsbüros der DZT waren ebenfalls vor Ort, um ihre Produktkenntnisse zu vertiefen und über Vermarktungsansätze zu diskutieren. Interaktive Formate spiegelten aus Sicht der Teilnehmer die internationale Wahrnehmung des kulturtouristischen Aspektes in Deutschland. Kernthema des Events war das 100-jährige Jubiläum der Bauhausgründung in Weimar 1919, dem die DZT eine weltweite Themenkampagne widmet. Der Summit wurde in Kooperation mit der Thüringer Tourismus GmbH in der Klassikerstadt realisiert.

Deutschland belegt im GfK Anholt Nation Brands Index 2018 wieder Platz 1 im Vergleich des Markenwertes von 50 Nationen. Vadim Volos, Senior Vice President and Global Director of Anholt-GfK Nation and City Brands Research Program, New York, analysierte in seiner Key Note Details zum jüngsten GfK Nation Brands Index und zur Bedeutung des Kulturtourismus für Deutschland.

Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der DZT, erklärte zum Abschluss des Events: „Kultur ist ein essenzieller Bestandteil unseres Markenkerns. Mit unserer weltweiten Marketingkampagne ‚100 years of Bauhaus #CelebratingBauhaus‘ nutzen wir die Strahlkraft des Bauhauserbes, um die Positionierung Deutschlands als Kulturreiseziel weiter zu stärken. Aus den Präsentationen der Experten und den interaktiven Dialogformaten mit den Teilnehmern des Summits konnten wir weitere Impulse für die kulturtouristische Vermarktung des Reiselandes Deutschlands gewinnen. Dafür danke ich allen Beteiligten sehr herzlich, besonders auch unserem professionellen Kooperationspartner, der Thüringer Tourismus GmbH.“

Weitere Programmpunkte galten der nationalen und internationalen Rezeption des Bauhaus-Erbes in unterschiedlicher Ausprägung. Diesen Bogen spannten u.a. Professor Dr. Winfried Speitkamp, Präsident der Bauhaus-Universität Weimar, Professor Dr. Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen Klassik Stiftung Weimar, sowie Bauhaus-Experten aus Israel und Argentinien. Eine der zahlreichen Facetten war mit Ausschnitten aus dem vom Bayerischen Staatsballett rekonstruierten Triadischen Ballett präsent. Aspekte der kulturtouristischen Vermarktung des Bauhaus-Jubiläums erörterten Repräsentanten der Landesmarketingorganisationen von Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Über sehr persönliche Aspekte sprachen Enkel von Protagonisten der Bauhausgründung. Wesentlicher Bestandteil des Tagungsformats waren interaktive Elemente, beispielsweise ein „Engagement Space“, mit denen sich die Teilnehmer aktiv mit dem Kulturreiseland Deutschland auseinandersetzen konnten. Im Anschluss an den Medien-Summit hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, auf drei verschiedenen Pressetouren die Bauhausstätten in Thüringen, Sachsen- Anhalt und Berlin zu erkunden.

„Wir danken der DZT für die Möglichkeit, den Medien-Summit ausrichten zu können. Zum großen Bauhaus-Jubiläum 2019 bietet der Freistaat Thüringen eine inspirierende Entdeckungsreise – mit Höhepunkten wie der Eröffnung des neuen bauhaus museum weimar. Die Aktivitäten zum 100-jährigen Jahrestag der Gründung des Bauhauses sind nach dem Reformationsjubiläum 2017 eine weitere außerordentliche Chance, international auf die reichen Kulturschätze und Traditionen von Thüringen aufmerksam zu machen. Wir freuen uns auf noch mehr Gäste aus aller Welt. “, führt Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH, dazu aus.

Überlagert wurde die öffentliche Wahrnehmung durch den Eklat rund um die Absage eines Konzerts der Punkband Feine Sahne Fischfilet im Dessauer Bauhaus-Welterbe - veranstaltet vom ZDF. Die Direktorin  des Bauhauses Claudia Perren und die Stiftung hatten die Absage unter anderem mit der Protest-Drohung rechter Gruppen begründet. Zudem sei das Bauhaus ein unpolitischer Ort. Als weiteres Argument ließ man verlauten, das Welterbe sei in Gefahr. Ob das im Sinne der einstigen Bauhaus Gründer war? Wohl kaum. Dementsprechend groß war die Empörung, die sich letztlich zum Image-Desaster für das Bauhaus entwickelte, das offenbar ein sehr museales Verständnis des Bauhauses pflegt. Von der politischen Botschaft ganz zu schweigen, denn wenn man immer dann ein Punkkonzert links orientierter Bands absagt, wenn Rechte protestieren, würden diese gar nicht mehr spielen. Auf touristische Ebene wird dies wohl kaum Auswirkungen zeigen, dennoch wirft es Fragen danach auf, was ein Weltkulturerbe eigentlich sein soll, wenn es nur noch tot sein darf.

www.germany.travel
www.thueringen-entdecken.de 

Bild: Bauhaus Dessau, https://pixabay.com/de/bauhaus-bauhausgeb%C3%A4ude-dessau-250403/