Das dwif unterstützt das Ressort Strategie, Organisation und Finanzen.

Besucherlenkung in bayerischen Kommunen: Problembewusstsein steigt

am .

Parkplatz in bayern

 

In einer aktuellen Umfrage hat das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) Einblicke in die Rolle von Besucherlenkungsmaßnahmen in bayerischen Kommunen gewonnen. Besonders in Oberbayern wird die Zunahme der Tagesausflügler*innen als problematisch eingestuft.

In einigen bayerischen Städten und Regionen steigt demnach die Zahl der Tagesausflügler*innen vor allem an den Wochenenden sprunghaft an. Die Folge: Menschenansammlungen, Müll- und Parkprobleme führen häufig zu Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung. Um Abhilfe zu schaffen, greifen einige Kommunen deshalb zu gezielten Besucherlenkungsmaßnahmen. Das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) hat mit der Umfrage unter bayerischen Kommunen exemplarisch untersucht, ob Schritte zur Besucherlenkung genutzt werden und welche Methoden dabei zum Einsatz kommen. Im Rahmen der Umfrage, die im April 2021 durchgeführt wurde, wertete das Institut Antworten von 218 bayerischen Kommunen in Oberbayern, Ostbayern, Franken und Schwaben aus.

Steigende Zahl von Tagesausflügen in Bayern

75 Prozent der befragten Kommunen geben demnach an, dass Tagesausflüge in ihrer Kommune im Jahr 2020 verglichen zu den Vorjahren zugenommen haben. Etwa ein Drittel geht im Jahr 2021 von mehr Tagesausflüglern aus als im Vorjahr. „Die Corona-Pandemie hat sicherlich zu einem größeren Andrang in ohnehin beliebten bayerischen Regionen beigetragen“, erklärt Prof. Dr. Alfred Bauer, Vorsitzender des Bayerischen Zentrums für Tourismus.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung seien für viele Gemeinden spürbar: Insgesamt beurteilen 41 Prozent der befragten Kommunen die Zunahme an Tagesausflügen als „sehr problematisch“ oder „problematisch“. Besonders in Oberbayern schätzen 60 Prozent die Situation als „(sehr) problematisch“ ein. Als Gründe nennen 22 Prozent das Fehlverhalten der Besucher*innen, gefolgt von Park- (15 Prozent) und Müllproblemen (10 Prozent).

Wildparken und Zerstörung der Natur ausschlaggebend

Die Ergebnisse der Umfrage belegen, dass in bayerischen Kommunen das Bewusstsein für Besucherlenkungsmaßnahmen inzwischen hoch ist. Mehr als die Hälfte der befragten Kommunen (54 Prozent) stuft demnach das Thema für sich als sehr wichtig oder wichtig ein, während nur 19 Prozent diese Maßnahmen als unwichtig bis sehr unwichtig einschätzen. Auffallend: Steigt die Zahl der Übernachtungen, werden auch Maßnahmen zur Besucherlenkung als wichtiger eingestuft.

38 Prozent der Befragten setzen ein oder mehrere Maßnahmen zur Besucherlenkung bereits um. Als wichtigsten Grund für den Einsatz von gezielten Maßnahmen gibt die Mehrheit der befragten Kommunen Wildparken an. Auch die Zerstörung der Natur, der Unmut Einheimischer, die Verkehrsbelastung und der Müll geben häufig den Ausschlag, gezielte Maßnahmen einzusetzen. Um die Probleme zu lösen, entwickeln Kommunen beispielsweise ein entsprechendes Wegenetz für Besucher*innen, formulieren Verhaltensregeln, zeigen Ge-/Verbote über Beschilderungen auf oder nehmen am „Bayerischen Ausflugsticker“ teil.

Künftig mehr Maßnahmen geplant

Auch wenn derzeit 62 Prozent der befragten Kommunen keine Maßnahmen umsetzen, könnte sich das bald ändern. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer*innen wollen zukünftig eine oder mehrere (weitere) Schritte zur Besucherlenkung umsetzen. Dabei stehen vor allem Maßnahmen im Bereich der Verkehrs-/Parkleitsysteme, der Besucherinfrastruktur und Wegenetz sowie Verhaltensregeln im Vordergrund.

Eine wesentliche Rolle bei der Planung und zielgerichteten Umsetzung von Besucherlenkungsmaßnahmen spielt die Datenerfassung. 18 Prozent verwenden Gästekarten, gefolgt von Buchungssystemen und der Datenerfassung über Fragebögen. Die Kommunen, die Daten erheben, erfassen diese überwiegend an Parkplätzen und Touristeninformationen über Sensorik, Kameras oder Wifi-Tracker. Rund 60 Prozent der befragten Kommunen erfassen bisher gar keine Daten.

Weitere Informationen und Ergebnisse der Umfrage

Bild Getty Images / Canva

Nichts verpassen: Newsletter abonnieren