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22. Tourismusgipfel: Das Hoffen auf die technische Klimalösung

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In der Tourismusbranche wächst offenbar das Bewusstsein dafür, dass der Klimawandel das Geschäftsmodell nachhaltig gefährden könnte. Als Lösung hoffen viele auf Innovationen und technische Lösungen - mit offenem Ausgang.

„In Sachen Klimawandel besteht Handlungsbedarf, daran besteht kein Zweifel. Verzicht, Verbote und Verteuerung sind allerdings ein Irrweg. Wir brauchen das klare politische Ziel, Klimaschutz und Freiheit unter einen Hut zu bringen – und damit auch die Reisefreiheit.“ Mit diesem Appell eröffnete der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Dr. Michael Frenzel den 22. Tourismusgipfel vor rund 450 Teilnehmern in Berlin.

Frenzel forderte von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Mut, auf Innovation statt auf Verbote und Verteuerung zu setzen und in Forschung zu investieren. „Es müssen CO2-sparende und letztlich CO2-neutrale Produkte entwickelt werden. Nur mit innovativen Produkten werden wir Nachahmer außerhalb Deutschlands finden, die wir dringend brauchen." Verbote seien keine Exportschlager. Deutschland müsse technologieoffen bleiben und in Forschung investieren. Aufgabe und Pflicht der Politik sei, neben Schwarz und Weiß auch Grau zuzulassen - sprich Kompromisse. Symbolpolitik, die einfach die lautesten Stimmen befriedet, sei nicht nachhaltig. Eine durchdachte Gesamtlösung sei unerlässlich. Allerdings warten die Klimaschützer spätestens seit dem ersten Klimagipfel 1992 in Rio auf diese Lösung. Und genau das könnte das Problem der Branche werden. Neue Forschungen führen erst in Jahrzehnten zu marktfähigen Lösungen. Gehandelt werden muss jedoch jetzt.

Frenzel verwies dennoch auf einige Aspekte, die in der aufgeheizten Diskussion häufig zu kurz kämen. „Die Demokratisierung des Reisens ist eine der größten Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Ich halte es für absolut falsch, Reisen wieder zum Luxusgut für die Elite zu machen.“
Deutschland sei keine isolierte Insel. Tourismus sei eine globale Branche mit vielen Wirkzusammenhängen und teils austauschbaren Produkten. Globale Branchen brauchten globale oder zumindest europäische Lösungen.

An die Branche appellierte Frenzel: „Wir dürfen nicht so tun als hätten wir verstanden und dann passiert nichts. Bereitschaft dafür wird aus allen Teilen der Branche signalisiert. Mehr noch: Einiges passiert schon. Teilweise seit Jahren. Darüber sollten wir definitiv mehr reden. Luftverkehr und Kreuzfahrt sind zwei Achillesfersen des Tourismus. Angriffsflächen, die von Kritikern bewusst attackiert werden." Das Suchen und Finden nachhaltiger Lösungen spiele aber gerade dort bereits eine große Rolle.

Mit Corsia werde die Luftverkehrsbranche ab 2020 weltweit der erste und bislang einzige Industriesektor mit einem eigenen Klimaschutzinstrument sein. In der Kreuzfahrt werde der LNG-Antrieb zunehmend eingesetzt. Und für Flüge sei Power to Liquid keine Zukunftsmusik mehr. Es habe lediglich noch nicht die Massenproduktion erreicht. Das müsse ein nächstes großes Ziel sein.

Zudem müssten nachhaltige Angebote sichtbarer machen, damit die Kunden sie auch fänden. In den Reisebüros, auf den Buchungsplattformen, in Marketingmaßnahmen. Dafür sei weniger Innovation erforderlich, als vielmehr Bereitschaft. Wir sollten nachhaltige Produkte stärker in unseren Betriebsalltag einbauen. Und auch mit Startups zusammenarbeiten, die manches schneller in den Markt bringen könnten.

Kompensationsangebote müssten ebenfalls sichtbarer werden. Die Branche sollte mehr mit Kunden kommunizieren, mehr über deren Wünsche erfahren, mehr darüber welche Form der Nachhaltigkeit ihnen etwas wert seien.

n diesem Zusammenhang verwies Frenzel darauf, dass die Branche unter Federführung des BTW in einen konstruktiven Dialog mit Prof. Dr. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, eingetreten sei. „In ersten Gesprächen waren wir uns einig, dass einen nicht der Austausch von Maximalforderungen weiterbringt, sondern die Bündelung der Kräfte aus Wirtschaft, Forschung und Politik. Auf dieser Basis wollen wir den Diskurs mit dem PIC weiterführen. Es ist der Anfang eines Dialogs, der uns die nächsten Jahre beschäftigen wird.“ Professor Schellnhuber gehört zu den Rednern und Referenten des Tourismusgipfels.

www.​btw.de