Wie kann Arbeit im Tourismus attraktiver werden: Zwischen Sicherheit, Wertschätzung und Sinnstiftung

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Tag der Arbeit im Tourismus Grafik

 

Seit beinahe zwei Jahren beeinträchtigt die Corona-Pandemie die Tourismusbranche. Stellenabbau durch Lockdown, Rückgang von Ausbildungsplätzen, Fachkräftemangel prägen das derzeitige Bild. Dass Betriebe gerade in dieser Zeit mehr dafür tun können und müssen, um für Auszubildende und Mitarbeitende attraktiver zu werden, das zeigte sich bei der Talkrunde zum „Tag der Arbeit im Tourismus“, zu der der Tourismus Oberbayern München (TOM) e.V. im Rahmen der Tourismuswoche Oberbayern am 16. November geladen hatte.

Eine zentrale Rolle bei der Attraktivierung spielt die Wertschätzung – nicht nur des Tourismus im Allgemeinen, sondern vor allem auch die der Mitarbeitenden. Neben einer angemessenen Bezahlung sollten Betriebe mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten eingehen, so der Tenor der mit Experten aus Ausbildung und Berufsverbänden in Bayern besetzten Gesprächsrunde.

„Die Lage ist schwieriger denn je“, stimmte Oswald Pehel, Geschäftsführer des TOM e.V. auf das aktuell brennende Thema ein: „Schon vor Corona gab es Probleme, aber nun wird Fachkräftemangel zum begrenzenden Faktor beim Restart Tourismus. Dabei ist der Tourismus nicht nur einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Bayerns, sondern auch Garant für Lebensqualität“. Vor der Corona-Krise konnte sich die Branche 10 Jahre lang über steigende Zahlen freuen, zuletzt gab es 3 % Zuwachs bei den Ausbildungen. Doch durch die Pandemie hat die Branche allein 12 Prozent der Festangestellten verloren.

Post-Corona-Kampagne

"Wir werden wieder durchstarten mit unserer Post-Corona-Kampagne“ versprach Susanne Droux, Geschäftsführerin Berufsbildung/Branchenförderung beim DEHOGA Bayern. In einem Vier Säulen-Modell hat der Dachverband die wichtigsten Faktoren für ein attraktives Arbeitsumfeld herausgearbeitet: Gehalt, Arbeitszeit, Firmenkultur und Identifikation mit dem Betrieb.

Neben einer angemessenen Entlohnung nach Tarif gebe es viele Möglichkeiten, das Gehalt individuell durch Sachleistungen wie etwa Tankgutscheine, Handy oder Laptop zu ergänzen. Susanne Droux ruft die Bertriebe dazu auf, „in ihrer Preisgestaltung echt und realistisch zu sein, um die wirklichen Kosten abzubilden“. Eine mitarbeiterorientierte Unternehmensführung sorge für eine bessere Anbindung und Identifikation der Beschäftigten mit dem Betrieb. Wichtig seien aber auch die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen, so brauche die Branche etwa Arbeitskräfte aus Drittländern, Steuerentlastungen und einen flexibleren Umgang mit Arbeitszeiten, dabei verwies Droux auch auf die Strukturen im Nachbarland Österreich.

Den Fachkräftemangel sieht auch die IHK als größtes Risiko in der derzeitigen Lage. In der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage nannten 63 % der Bayerischen Unternehmen das fehlende Personal als Hemmschuh für die ansonsten positive Geschäftsentwicklung, erklärte Hubert Schöffmann, Leiter der Abteilung Berufliche Ausbildung IHK für München und Oberbayern und Bildungspolitischer Sprecher des Bayerischen Industrie- und Handelskammertag e.V. 15.000 Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden.

Stärkere Positionierung von Werten

Der HOGA-Bereich sei besonders hart von Corona betroffen, allein in München ging die Zahl der Ausbildungen zum/r Tourismuskaufmann/frau um 42 Prozent zurück. Auch wenn sich die Lage schon allein durch den demografischen Wandel und sinkendes Interesse an Ausbildungsberufen grundsätzlich geändert habe, sieht Schöffmann auch das zunehmende Bedürfnis der Jugendlichen nach sinnstiftender Arbeit und Identifikation als Grund für diese Entwicklung. Betriebe und Branche könnten durch stärkere Positionierung von Werten etwa für Themen wie Nachhaltigkeit und zeitgemäße Formen wie digitale Ausbildungsformate gegensteuern.

Ein wichtiger Teil unserer Kultur

Im Konkurrenzkampf um Fachkräfte und Nachwuchs habe der Tourismussektor auch gute Chancen sich gegenüber anderen Branchen zu behaupten.: “Der Tourismus an sich hat einen großen Wert und ist ein wichtiger Teil unserer Kultur“, meint Hermann Kunkel, Schulleiter der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land, der in den ländlichen Regionen eine etwas bessere Situation als im städtischem Bereich sieht.

Dazu verweist er darauf, dass Kaufleute für Freizeit und Tourismus in touristischen Einrichtungen besser durch die Coronazeit gekommen seien als Auszubildende in Hotellerie und Gastronomie. Auch Kunkel verwies auf die Bedeutung der Wertschätzung des Tourismus, die bei der Berufswahl eine wichtige Rolle spiele. „Jammern bringt uns nicht weiter“, erklärte er. „Wir müssen gemeinsam gute Botschaften an Betriebe, potenzielle Azubis und Mitarbeitende senden und die Ausbildung und Arbeit im Tourismus wieder attraktiver machen.“

Mehr Balance

Sebastian Kramer, Wirtschaftsförderer des Landkreises Garmisch-Partenkirchen und Geschäftsführer der Zugspitz Region GmbH, wies darauf hin, dass Fachkräftemangel kein rein touristisches Problem sei, hier aber mit die größten Schwierigkeiten bereite. Umso wichtiger sei es, dass Arbeitgeber ganzheitlich denken, konkrete Unterstützung für Mitarbeitende bieten und auch die „Work Live Balance“ von Fachkräften und Auszubildenden zu berücksichtigen, etwa durch bessere Vereinbarkeit von Job und Freizeitangeboten. Angesichts des knappen bezahlbaren Wohnraums riet er zu einer Renaissance der Betriebswohnung. Und wenn Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit kommen, sei es sinnvoll, den Beschäftigten Duschen zur Verfügung zu stellen.

Mehr Wertschätzung

Neben all den verschiedenen Einzelmaßnahmen wurde deutlich: Ohne Wertschätzung geht nichts! Der Tourismus ist eine Arbeit von und für Menschen. So wie wir mit unseren Gästen umgehen, sollten wir auch mit den Menschen umgehen, die im Tourismus arbeiten – war der Tenor. Die Impulse der fruchtbaren Diskussion zum „Tag der Arbeit im Tourismus“ will der TOM e.V. aufnehmen und in Gesprächen mit den Verbänden weiter vertiefen.

Mit der Tourismuswoche Oberbayern vom 15. bis 19. November 2021 will der TOM e.V. weiter dazu beitragen, die Aufmerksamkeit und Akzeptanz der Branche zu steigern und so auch die Arbeit im Tourismus attraktiver zu machen. Am 17. November, am "Tag der Tourismushelden“, werden Menschen vorgestellt, die mit ihren Angeboten und ihrem persönlichen Einsatz das Herz des Tourismus in Oberbayern bilden.

Mehr Infos und Links zum Thema hier:
https://top.oberbayern.de/tourismuswoche-oberbayern-2021/tag-der-arbeit-im-tourismus/


Bild: TOM e.V.

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