Brief aus Hong Kong #6: Über die Rückkehr des Corona-Virus, der Lufthansa und des Netzwerkens

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Brief aus Hong Kong, Andrea Springmann

 

In Hong Kong ist das Virus zurück. Und damit auch wieder viele Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Es zeigt sich, wie trügerisch die vermeintliche Sicherheit sein kann und mit welcher Flexibilität der Tourismus auf neue Ausbrüche reagieren muss. Es bleibt schwierig. Aber es zeichnen sich auch funktionierende Lösungen ab.

Nach vielen Wochen ohne neue lokale Fälle in Hong Kong gingen wir davon aus, dass wir hier Covid größtenteils hinter uns lassen können. Doch weit gefehlt. Seit wenigen Tagen gibt es neue Hotspots in Hong Kong.

Rückkehr des Corona-Virus

Angefangen hat es mit der steigenden Anzahl von importierten Fällen aus Risikoländern, das heißt Fällen, die bei der Einreise nach Hong Kong entdeckt wurden. Am Flughafen und an den anderen beiden Grenzübergängen, die noch offen sind, werden Schnelltests bei allen Ankömmlingen durchgeführt, und zwar kostenlos.
Den importierten Fällen folgten nun Fälle lokaler Übertragung in einem Altenheim und zwei Restaurants. Von da aus scheint sich nun Covid wieder zu verbreiten, so dass die Regierung die Maßnahmen auf den Stand von März zurückgesetzt hat und zum Teil noch darüber hinausgegangen ist.

Rückkehr der Beschränkungen

Das heißt wieder verstärktes Social Distancing, Schulen, die noch nicht Sommerferien haben, werden geschlossen, geringere Kapazität für Restaurants und Bars. Leider trat auch ein Fall in einem Hotel auf, das gut belegt war. Auch wir hatten in dem Hotel einen Kurzurlaub gebucht, den wir nun deshalb storniert haben.
Das zeigt, obwohl Hong Kong gut in der Kontrolle und den Maßnahmen ist und bisher kein einziges Mal ein Lockdown wie in Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz, Großbritannien oder Frankreich notwendig war, gibt es Schlupflöcher. Einen ähnlichen Verlauf kann man in Melbourne, Israel und Südosteuropa sehen. Beispiel in Deutschland ist der Kreis Gütersloh.

Frustationstoleranz und Resilienz der touristischen Leistungsträger gefordert

Was bedeutet das jetzt? Lokal begrenzte Lockdowns wie in Australien am Beispiel des Bundesstaates Victoria, oder Gütersloh und auch Peking, sind aktuell die Antwort. Ziel ist es ja, die Infektionsherde einzugrenzen und Übertragungsketten zu identifizieren und zu durchbrechen. Das ist eine Mahnung an alle, dass wir nicht einfach so von den Maßnahmen wie Maskentragen, Social Distancing und hohen Hygienestandards Abstand nehmen können. Es zeigt auch, dass wir mehrere gute Schritte nach vorne gehen, doch dann mit neuen Hotpots auch Schritte zurück.

Das erfordert viel Flexibilität, hohe Frustationstoleranz und Resilienz insbesondere von den touristischen Leistungsträgern. Das ist ein großer Kraftakt für die jeweilige Destination/ Region und geht nur Hand in Hand mit allen, starker Unterstützung und klarer Kommunikation von Seiten der Verwaltung bzw. Regierung.
Das soziale Leben hatte hier in Hong Kong wieder Fahrt aufgenommen. Man fühlte sich sicher. Das Bedürfnis nach Normalität ist groß, daher ist die Nachricht von neuen Fällen und dem Zurückgehen zu früheren Maßnahmen für alle bedrückend.

Rückkehr der Lufthansa

Ein gutes Aufbruchzeichen hatten wir hier noch Anfang Juli. Die Lufthansa hat wieder reguläre Linienflüge nach Hong Kong aufgenommen. Seit Anfang Juli fliegt die Airline dreimal pro Woche von Frankfurt nach Hong Kong und retour. Es sind die ersten Lufthansa Flüge in die Asien-Metropole seit Ende März. Vor Abflug wurde die gesamte Crew von der Deutschen Außenhandelskammer in Hong Kong offiziell am Flughafen verabschiedet. Ein Zeichen der großen Freude und Zuversicht in das “neue” Normal. Aufbruch ist angesagt.

lufthansa hongkong edited

 

Zudem bietet die Lufthansa ihren Kunden ab sofort an den Flughäfen in Frankfurt und München die Möglichkeit, sich für Flüge ins Ausland oder einem Aufenthalt in Deutschland kurzfristig auf Corona testen zu lassen, um eine zweiwöchige Quarantäne in Deutschland oder in anderen Ländern, soweit diese gefordert ist, zu vermeiden.

Was beeinflusst die Reiseentscheidung?

Doch nicht nur die Quarantänezeit, sondern auch die Hygienekonzepte und -standards in den Destinationen, Social Distancing Regeln, Maskenpflicht “ja oder nein” und eine Gesundheitsversorgung im Fall der Fälle vor Ort, spielen eine Rolle für die Reisentscheidung.

Maximale Sicherheit , Convenience und Flexibilität bei Buchung und Stornierung sind die wesentlichen Stichworte für einen garantierten unbeschwerten Aufenthalt. Zur weiteren Reiseentscheidung wird sicherlich beitragen, welche Erlebnisse frei und einfach zugänglich sind, oder welche vorab zu buchen bzw. zu reservieren sind. Das erfordert viel Planung von Seiten der Gäste und im Umkehrschluss viel Informationsfluss von Seiten der Destinationen und ihren Leistungsträgern.

Regelungswirrwarr in den verschiedenen Ländern

Aktuell gibt es keine einheitlichen Regelungen bei Einreisen in die einzelnen Länder. Jedes Land und auch Regionen gehen in höchst unterschiedlichem Maße mit dem Thema Maskentragen, Social Distancing Maßnahmen, Hygienekonzepte und -standards um. Das kann verwirren. Dies wird sicherlich dazu führen, dass einheitliche Standards definiert werden müssen.

Sicherlich keine einfache Aufgabe, da auch kulturelle Differenzen überwunden werden müssen. Dazu kommt auch, dass wir alle im Lernmodus sind, das heißt, dass wir erst herausfinden müssen, was gut funktioniert und was nicht. Keiner hat den absoluten “Blueprint”. Noch nicht!

Funktionierende Maßnahmen

Doch haben wir heute schon Beispiele, bei denen sich Maßnahmen auf verschiedenene Ebenen sehr gut bewähren, ob Hygienekonzepte am Flughafen, neue Reinigungstechniken, z.B. Einsatz von UV Robotern in Hotels, Corona-App-Einsatz, Besucherregulierungen, Buchungs- und Reservierungsplattformen für Schwimmbäder, Museen, Sehenswürdigkeiten usw.

Das Gebot der Stunde ist es, voneinander zu lernen und neue Wege und Maßnahmen, die gut klappen, zu adaptieren und auf die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. Best-Practice-Beispiele müssen transparent und zugänglich gemacht werden, Hand in Hand mit einem stetigen Austausch und weitreichender Vernetzung, auch über nationale Grenzen hinweg.

Ein gutes Beispiel für einen einheitlichen weltweiten Standard sind die Sicherheitschecks an Flughäfen. Sicherlich gibt es nationale/ regionale Nuancen, aber im Wesentlichen sind diese überall gleich und der Fluggast weiß, was ihn am Flughafen erwartet. Warum nicht ein einheitliches Hygienekonzept vor Abreise und Einreise weltweit? Das gibt Sicherheit und Transparenz für alle.

Tourismus als Vorbild der Vernetzung

Netzwerke, enge Zusammenarbeit und über ihre Grenzen hinweg denkende Regionen und Nationen haben schon immer gezeigt, dass der Weg der Gemeinsamkeit der erfolgreichere ist und zu Wachstum führt. Wenn das jemand kann, dann sicherlich die Tourismusindustrie.

AndreaSpringmann Portrait

Stay safe everybody!
Andrea

 

 Foto: Lufthansa Group Hong Kong, Macau and Southern China

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