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Jedes Verständnis ist endlich: Innerdeutsche Risikogebiete, Beherbergungsverbot, zerstörtes Vertrauen

Geschrieben von Matthias Burzinski am .

Berlin Straßenschild Coronahinweise

 

Was mag die Bundesregierung, die Kanzlerin und die Länder im Corona-Kabinett bloß geritten haben, als sie das Beherbergungsverbot erließen? Und allen voran auch noch die Haupturlaubsländer - Bayern, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern. Und BW-Ministerpräsident Kretschmann verstieg sich sogar noch zu der Empfehlung im Herbst besser gar nicht mehr zu reisen.

Um eines klarzustellen: Ich habe keinen Aluhut auf, bewundere es, wie die Politik uns bisher vergleichsweise elegant durch die Krise navigiert, und bin ein absoluter Befürworter konsequenter Maßnahmen gegen das Virus. Aber: Ich würde schon noch gerne verstehen, warum die Menschen aus den wichtigsten Quellgebieten dieses Landes, den Metropolen, nicht mehr reisen dürfen und dem Tourismus hierzulande den Todesstoß versetzen, obwohl eben dieses Reisen offenbar kein allzu großes Risiko darstellt. Und wir kürzlich noch darum gebeten wurden.

Wenn selbst Karl Lauterbach, nicht unbedingt der laxeste (leider aber meist richtig liegende) unter den Epidemiologen, sagt, dass dies ein Fehler ist, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sich anschließt und es sogar als groben Unfug bezeichnet, Bodo Ramelow es als Unsinn von vornherein ablehnt, dann darf man sich fragen: Geht's noch?

Chaostage im Corona-Kabinett

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: Die erste Lachnummer war das stümperhafte Verkünden des bundesweiten Beherbergungsverbotes, an das sich dann aber doch gleich sechs Bundesländer, darunter das einwohnerstarke NRW, gar nicht halten wollten. Tourismusbranche und Urlauber*innen waren gleichermaßen verwirrt und in den DMOs und Tourist-Informationen liefen vermutlich gleich mal wieder die Telefone heiß. Sicher eine Top-Maßnahme, um die Menschen nur wenige Tage vor dem ersehnten Herbsturlaub in die totale Verunsicherung zu stürzen, nachdem bereits zuvor das Unbehagen angesichts der Infektionszahlen gestiegen war.

Söder-Irrweg reloaded

Dann die Wiederholung des gleichen Fehlers, den schon Ministerpräsident Söder in Bayern gemacht hat, nämlich Tests aus den Bereichen abzuziehen, in denen sie wesentlich nötiger gebraucht werden als unter Urlaubern*innen. In NRW kam man gar auf die Idee, extra Testcenter einzurichten für diejenigen, die noch in Urlaub fahren möchten und einen negativen Test brauchen. Die Labore, ohnehin schon am Anschlag, müssen ein Deja Vu gehabt haben.

Nächstes Fragezeichen gefällig? Überall wird uns derzeit vorgehalten, dass die Risikoquellen private Feiern und Superspreader-Events sind, wohingegen von deutschen Hotels und Beherbergungsbetrieben vergleichsweise wenig Infektionsrisiko auszugehen scheint. Warum dann dort als erstes und derart massiv eingegriffen wird, müsste schon mal erklärt werden. Hat irgendjemand eine Erklärung gehört, die auch nur halbwegs schlüssig ist? Wenn es ein Geheimnis hinter diesem Beschluss geben sollte, wüsste die Tourismusbranche das gern.

Pendler gut, Gast böse

Wir hätten da noch ein paar Kleinigkeiten. In Bayern soll das Beherbergungsverbot nur für Reisende aus anderen Bundesländern gelten. Aha, sind die Bayern also anders infiziert als die übrigen Landsleute. Klingt ja wirklich nach nationaler Umsicht.
Da nur übernachtende Reisende betroffen sind, kann jeder infizierte Pendler munter zwischen Brandenburg und Berlin hin- und herfahren und ganze Kohorten anstecken, der Übernachtungsgast hingehen ist stigmatisiert als das personifizierte Böse.
Wenn ich beim Test nicht infiziert bin, das Ergebnis aber erst zwei Tage später erhalte, kann ich mich zwischenzeitlich infiziert haben.

Und hatte uns nicht Minister Spahn gerade erst gebeten, doch bitte in Deutschland Urlaub zu machen!

Verständnis ist endlich

Und das Schlimmste kommt zum Schluss: Bisher hat die Tourismusbranche sich wirklich als konstruktiver Partner erwiesen und so manche Kröte geschluckt. Sie hat höchst innovativ und kreativ neue Maßnahmen und Ideen entwickelt, um sowohl den Erfordernissen der Pandemie als auch der Gäste gerecht zu werden. Eine MEISTERLEISTUNG, liebes Corona-Kabinett!

Dieses hanebüchene Beherbergungsverbot zeugt von einer vollkommenen Ignoranz gegenüber der Tourismusbranche und Ihren Bemühungen. Nichts von deren Nöten und Sorgen ist offenbar angekommen, wenn so ein Blödsinn produziert wird. Und selbst jetzt noch versuchen die Branchenverbände sich in einer zurückhaltenden Kritik, obwohl ein Tippen an die Stirn deutlich angebrachter wäre. Denn jedes Verständnis endet irgendwann - und dann steht es wirklich schlecht um uns.

 www.bundesregierung.de

 

Bild: https://pixabay.com/de/photos/berlin-coronavirus-virus-5010633/

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