ADFC fordert Umdenken und protestiert: Diesel-Debatte greift zu kurz

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Heute empfangen ADFC-Aktive die Teilnehmer des Diesel-Gipfels vor dem Bundesverkehrsministerium mit einem minutenlangen „Klingel-in“. Damit protestiert der Fahrradclub gegen die Auto-Fixierung der aktuellen Verkehrsdebatte.

Mit kräftigen Investitionen in den Radverkehr ließen sich Staus, Luftbelastung, Lärm, Parkplatz- und Gesundheitsprobleme vermeiden, ohne unvermeidbare Auto- und Lkw-Fahrten einschränken zu müssen, so der ADFC.

ADFC-Bundesvorstand Ludger Koopmann sagt im Vorfeld: „Jetzt alles daran zu setzen, damit in den am schlimmsten verpesteten Städten noch mehr Autoverkehr irgendwie durchkommt, ist vollkommener Irrsinn. Wir brauchen deutlich weniger Autoverkehr in den Städten, nicht besser gelenkten mit anderen Antrieben! Die Hälfte aller Autofahrten in der Stadt sind unter fünf Kilometer, ein Viertel sogar unter zwei Kilometer. Die Menschen fahren mit dem Auto zum Bäcker, weil die Alternativen zu unkomfortabel sind, das ist das Problem! Wir müssen die Alternativen zum Auto so attraktiv machen, dass sie gerne gewählt werden. Das funktioniert nicht, wenn man Grusel-Infrastruktur anbietet. Wir fordern 30 Euro pro Einwohner und Jahr über alle politischen Ebenen für das Rad. Mit top-ausgebauten Radverkehrsnetzen hätten wir die Chance, jede dritte Stadtfahrt zu einer Radfahrt zu machen.“

#radlandjetzt statt #dieselgate

Mehrere Umwelt- und Verkehrsverbände wollen vor dem Dieselgipfel ihrem Unmut über die aktuelle Autopolitik Luft machen. Die ADFC-Demo steht unter dem Motto „Fahrradland Deutschland. Jetzt!“ Mit dieser bundesweiten Unterstützer-Kampagne wirbt der ADFC im Vorfeld der Bundestagswahl für einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik. Er fordert Vorrang für Radfahrer, Fußgänger und ÖPNV vor dem Autoverkehr, deutlich höhere Finanzmittel des Bundes, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts, deutliche Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit sowie verbindliche Qualitätsstandards für Radwege. Alle Forderungen gibt es auf www.radlandjetzt.de.

Maßstab: Niederlande

Seit den 1980er Jahren fördern die Niederlande das Radfahren massiv und ermutigen Bürger, Strecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückzulegen. Auto-Zufahrtsmöglichkeiten in die Stadtzentren werden eingeschränkt, Parkgebühren erhöht, Kfz-Verkehrsflächen reduziert und Radwege gebaut, durchgängige Radverkehrsnetze und Parkmöglichkeiten angelegt sowie das Tempo innerorts auf einem Großteil der Straßen auf 30 km/h begrenzt. Der Erfolg ist durschlagend: 27 Prozent aller Wege werden in den Niederlanden mit dem Rad zurückgelegt, in Deutschland nur 12 Prozent. Dabei kommt das Rad auch auf dem Weg zur Arbeit viel stärker zum Einsatz: 25 Prozent der Niederländer pendeln mit dem Rad zur Arbeit, von den Bundesbürgern sind es nur 10 Prozent.

Koopmann: „Radschnellwege mit Vorrang für das Rad, durchgängige, gut gepflegte Radverkehrsnetze in den Städten, großzügige Fahrradpark-Stationen an Bahnhöfen, Einkaufszentren und öffentlichen Einrichtungen – das Rezept für mehr Radverkehr ist eigentlich keine Raketenwissenschaft! Man muss es nur wollen! Dieser Wille fehlt uns in der aktuellen Debatte!“

www.adfc.de

Bild: ADFC