KI-Einsatz wächst in deutschen Unternehmen deutlich
Der Digitalverband Bitkom verzeichnete einen deutlichen Anstieg beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in deutschen Unternehmen. 57 Prozent der Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten nutzten KI inzwischen. Vor einem Jahr lag der Anteil bei 36 Prozent, vor zwei Jahren bei 20 Prozent. Bitkom befragte dafür 603 Unternehmen.
Weitere 38 Prozent sollen den Einsatz geplant haben oder prüfen ihn derzeit. Nur 4 Prozent sollen sich nach eigenen Angaben nicht mit KI beschäftigt haben. Im Vorjahr sei dieser Anteil bei 17 Prozent gelegen, 2024 bei 41 Prozent.
Die Unternehmen nutzten die Möglichkeiten der Technologie allerdings noch in begrenztem Umfang. Kein befragtes Unternehmen habe das Potenzial vollständig ausgeschöpft. 3 Prozent sollen die eigene Nutzung als eher stark bewertet haben. 28 Prozent sollen eine geringe Ausschöpfung gesehen haben, 59 Prozent eine sehr geringe.
„Künstliche Intelligenz ist keine Sache einzelner Vorreiter, sie ist in der Breite der Wirtschaft angekommen. Und das in einem Tempo, das wir bei keiner Technologie zuvor gesehen haben. Für die meisten ist damit aber nur der Einstieg geschafft, die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, sagte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Für die Politik sollten die letzten Zweifel ausgeräumt sein, dass die Anforderungen von KI als Schlüsseltechnologie Priorität haben müssen. Das reicht von der Infrastruktur mit ausreichend Rechenzentren bis zu einer Regulierung, die Unternehmen nicht einbremst, sondern unterstützt.“
Große Zustimmung zur Technologie
Die grundsätzliche Akzeptanz von KI hat zugenommen. 91 Prozent der Unternehmen sollen sie für die wichtigste Zukunftstechnologie gehalten haben. 2025 sei der Anteil bei 81 Prozent gelegen, 2024 bei 73 Prozent. Nur 8 Prozent sollen KI als überschätzten Hype getrachtet haben. Zwei Jahre zuvor sollen diese Ansicht noch 26 Prozent vertreten haben.
Auch im eigenen Unternehmen überwog die positive Einschätzung. 80 Prozent sollen KI vor allem als Chance gesehen haben. 18 Prozent sollen sie eher als Risiko bewertet haben. Kein Unternehmen habe erwartet, dass die Technologie ohne Einfluss auf das eigene Geschäft bleibe. Ebenso habe kein Unternehmen KI für überwiegend riskant gehalten.
Die Zustimmung ging jedoch mit wachsender Unsicherheit einher. 61 Prozent sollen geglaubt haben, dass Unternehmen ohne KI-Nutzung keine Zukunft haben. 56 Prozent sollen Deutschland bei der Entwicklung im Rückstand gesehen haben. 34 Prozent sollen eine Gefahr für die Existenz ihres Unternehmens befürchtet haben. 31 Prozent sollen Veränderungen am eigenen Geschäftsmodell erwartet haben.
Bei Unternehmen mit KI-Einsatz sollen 33 Prozent die Sorge vor einem Anschlussverlust als wesentlichen Grund für die Nutzung genannt haben.
„Wir sehen rund um KI viel Zuversicht, aber auch Verunsicherung“, sagte Wintergerst. „Dieselben Unternehmen, die in KI die entscheidende Technologie der kommenden Jahre erkennen, fürchten gleichzeitig, durch sie um ihre Existenz gebracht zu werden.“
Einsatz verlagert sich in interne Bereiche
KI kam weiterhin besonders häufig im Kundenkontakt zum Einsatz. 72 Prozent der Anwender sollen sie für die Bearbeitung von Anfragen genutzt haben. 54 Prozent sollen sie in Marketing und Kommunikation eingesetzt haben.
Gleichzeitig wuchs die Nutzung in weiteren Unternehmensbereichen. Das interne Wissensmanagement habe 22 Prozent erreicht. Im Vorjahr sei der Anteil bei 11 Prozent gelegen. 20 Prozent sollen KI in eigene Produkte und Dienstleistungen integriert haben. 2025 seien es 12 Prozent gewesen.
Auch Vertrieb und IT holten auf. Im Vertrieb sei der Anteil von 5 auf 14 Prozent gestiegen, in der IT von 2 auf 9 Prozent. Im Controlling und Rechnungswesen habe er sich von 17 auf 25 Prozent erhöht.
22 Prozent sollen KI in der Produktion genutzt haben. In Forschung und Entwicklung sei der Anteil bei 16 Prozent gelegen. Rechts- und Steuerabteilungen seien auf 8 Prozent gekommen, das Management auf 7 Prozent.
KI-Agenten stehen vor dem nächsten Entwicklungsschritt
Neben klassischen Anwendungen prüften die Unternehmen den Einsatz von KI-Agenten. Diese Systeme bearbeiteten nicht nur Anfragen, sondern führten eigenständig Aufgaben aus. Dazu zählten etwa Preisvergleiche, die Einholung von Angeboten und die Vorbereitung von Entscheidungsoptionen.
24 Prozent der Unternehmen, die KI nutzten oder sich mit ihrem Einsatz beschäftigten, sollen KI-Agenten derzeit nicht als relevantes Thema angesehen haben. 11 Prozent sollen sie bereits verwendet haben. 29 Prozent sollen den Einsatz geplant, 31 Prozent darüber diskutiert haben.
„KI-Agenten stehen heute etwa dort, wo Künstliche Intelligenz insgesamt vor drei Jahren stand. Sie werden sich aber ähnlich schnell verbreiten“, sagte Wintergerst. „Unternehmen sollten sich darauf vorbereiten. Ein Agent, der eigenständig handelt, braucht verlässliche Daten, verbundene Systeme und Regeln, was er darf und was er zu lassen hat.“
Unternehmen messen wirtschaftliche Effekte
Die Unternehmen führten den KI-Einsatz auf mehrere konkrete Verbesserungen zurück. 66 Prozent der Anwender sollen eine bessere Wettbewerbsposition gesehen haben. 48 Prozent sollen interne Abläufe beschleunigt haben. 45 Prozent sollen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg erkannt haben.
40 Prozent sollen von einer höheren Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen berichtet haben. 36 Prozent sollen mit Unterstützung von KI neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt haben.
Trotz dieser Effekte sei die Nutzung nach Einschätzung der Unternehmen hinter den Möglichkeiten zurückgeblieben. Die Werte sollen sich dabei kaum zwischen kleineren und größeren Unternehmen unterschieden haben.
„Die positive Nachricht ist: Bei KI muss sich niemand abgeschlagen fühlen. Die entscheidenden Schritte stehen bei fast allen noch aus“, so Wintergerst.
Infrastruktur und Daten verursachen den größten Aufwand
45 Prozent der Unternehmen sollen 2026 ihre Ausgaben für KI erhöht haben. 13 Prozent sollen deutlich mehr als im Vorjahr investiert haben, 32 Prozent eher mehr. Die Hälfte habe das Budget stabil gehalten. 3 Prozent sollen die Ausgaben reduzieren wollen. 2 Prozent sollen weiterhin keine Investitionen geplant haben.
Die wichtigsten Kosten entstanden nicht bei Lizenzen, sondern bei den Grundlagen der Nutzung. 51 Prozent der KI-Anwender sollen Cloud und Rechenleistung als großen Kostenpunkt genannt haben. 50 Prozent sollen auf die Aufbereitung von Daten verwiesen haben. 41 Prozent müssten bestehende Systeme integrieren.
Für jeweils 21 Prozent sollen KI-Software und externe Beratung zu den großen Kostenpositionen gezählt haben. 19 Prozent sollen die Schulung der Beschäftigten genannt haben. Der Verbrauch von Tokens habe eine geringere Rolle gespielt. 8 Prozent sollen ihn als großen Kostenpunkt eingestuft haben, 11 Prozent als kleinen.
„Bei KI geht es nicht in erster Linie um das eingesetzte Modell. Daten aufbereiten, Systeme verbinden und Rechenkapazität bereitstellen erfordert den höchsten Aufwand. Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert“, so Wintergerst.
Rechtliche Fragen und fehlendes Know-how bremsen die Nutzung
Unternehmen ohne KI-Einsatz nannten fehlendes technisches Wissen als größtes Hindernis. 85 Prozent sollen darin ein Problem gesehen haben. 66 Prozent sollen auf rechtliche Unsicherheiten verwiesen haben. 63 Prozent sollen die Kosten schwer kalkulieren können, 51 Prozent personelle Ressourcen gefehlt haben. 40 Prozent sollen nach eigener Einschätzung nicht über die notwendigen Daten verfügt haben. 30 Prozent sollen keine passenden Anwendungsfälle erkannt haben.
Bei den KI-Anwendern standen Datenschutzanforderungen an erster Stelle. 66 Prozent sollen darin ein Hemmnis gesehen haben. 56 Prozent sollen rechtliche Unsicherheit genannt haben, 54 Prozent schwer kalkulierbare Kosten. 45 Prozent sollen sich um den Schutz von Unternehmensdaten gesorgt haben.
42 Prozent sollen die Akzeptanz der Beschäftigten vermisst haben. 26 Prozent sollen die Qualität der Ergebnisse kritisiert haben, 25 Prozent deren Nachvollziehbarkeit. Fehlende Anwendungsfälle sollen 11 Prozent genannt haben.
„Vor dem Einstieg ist vor allem die Technologie das Problem, wer KI im Haus hat, ringt mit Datenschutz und der Frage, was erlaubt ist“, sagte Wintergerst.
Sieben von zehn Unternehmen schulen Beschäftigte
66 Prozent der Unternehmen sollen die KI-Kompetenzen ihrer Beschäftigten als gering bewertet haben. Nur 28 Prozent sollen sie als hoch eingeschätzt haben. Unternehmen mit KI-Erfahrung sollen die Fähigkeiten ihrer Belegschaft deutlich positiver beurteilt haben. Dort sollen 40 Prozent von einem hohen Kompetenzniveau gesprochen haben. Bei Unternehmen ohne KI-Einsatz seien es 14 Prozent gewesen.
70 Prozent der Unternehmen sollen inzwischen Schulungen angeboten haben. 11 Prozent sollen damit die gesamte Belegschaft erreicht haben, 22 Prozent einen Großteil der Beschäftigten. 37 Prozent sollen ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult haben. Ein Viertel habe keine Weiterbildung angeboten. Im Vorjahr sei dieser Anteil noch bei 43 Prozent gelegen.
Unter den Unternehmen mit KI-Einsatz sollen 91 Prozent ihre Beschäftigten geschult haben. Nur 4 Prozent sollen vollständig auf entsprechende Angebote verzichtet haben.
„Kompetenz entsteht mit dem KI-Einsatz, aber sie entsteht nicht von allein. Dass inzwischen sieben von zehn Unternehmen Weiterbildungen anbieten, ist ein echter Fortschritt“, sagte Wintergerst.
Unternehmen erwarten Auswirkungen auf Beschäftigung
Für die kommenden zwei Jahre sollen 45 Prozent der Unternehmen einen leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl durch KI erwartet haben. 12 Prozent sollen mit einem deutlichen Rückgang gerechnet haben. 14 Prozent sollen einen leichten Anstieg erwartet haben. Einen deutlichen Zuwachs habe kein Unternehmen prognostiziert. 29 Prozent sollen keine Angabe gemacht haben.
Unternehmen mit eigener KI-Nutzung sollen seltener mit einem deutlichen Stellenabbau gerechnet haben. 9 Prozent sollen einen solchen Rückgang erwartet haben. Bei Unternehmen ohne KI-Einsatz sei der Anteil bei 15 Prozent gelegen. Gleichzeitig sollen Anwender doppelt so häufig einen Anstieg der Beschäftigtenzahl erwartet haben. 18 Prozent sollen damit gerechnet haben, bei den Nichtanwendern seien es 9 Prozent gewesen.
Wintergerst sagte: „KI wird Tätigkeiten verändern, manche Berufsbilder werden verschwinden, andere neu entstehen. Für eine alternde Volkswirtschaft mit hohem Fachkräftemangel und einer seit Jahren stagnierenden Produktivität ist das keine Bedrohung, sondern eine Chance.“
Unternehmen kritisieren den AI Act
37 Prozent der Unternehmen sollen damit gerechnet haben, als Anwender unter den AI Act zu fallen. Im Vorjahr sei der Anteil bei 23 Prozent gelegen. 34 Prozent sollen derzeit ihre Betroffenheit geprüft haben. 18 Prozent sollen sich nicht betroffen gesehen haben. 8 Prozent sollen sich noch nicht mit dem Regelwerk beschäftigt haben.
Von den betroffenen Unternehmen und den Unternehmen in der Prüfungsphase sollen 89 Prozent einen hohen Umsetzungsaufwand erwartet haben. 51 Prozent sollen mit einem sehr hohen Aufwand gerechnet haben. Insgesamt sollen 66 Prozent der Unternehmen im AI Act mehr Nachteile als Vorteile für deutsche Unternehmen gesehen haben. 2025 sei der Anteil bei 56 Prozent gelegen.
Die betroffenen Unternehmen sollen durchschnittlich mit 2,1 Hochrisiko-KI-Systemen im eigenen Einsatz gerechnet haben. Im Vorjahr sei der Wert bei 1,5 gelegen. 25 Prozent sollen ein solches System erwartet haben, 30 Prozent zwei und 16 Prozent mindestens drei. 8 Prozent sollen mit keinem Hochrisiko-System gerechnet haben. 22 Prozent sollen keine Angabe gemacht haben.
„Der AI Act sollte Vertrauen schaffen, erzeugt aber weitverbreitete Unsicherheit. Die Unsicherheit wächst, je genauer die Unternehmen hinsehen“, sagte Wintergerst. „Wir brauchen verbindlich und schnell rechtliche Klarheit zur Umsetzung des AI Act und praxistaugliche Standards“, so Wintergerst. „Es braucht außerdem Angebote zur Unterstützung von Unternehmen, damit sie Künstliche Intelligenz konform zum AI-Act einsetzen können.“
Bitkom veranstaltet KI-Konferenz in Berlin
Bitkom widme den Einsatz von KI auch dem AI, Data & Quantum Summit. Die Veranstaltung soll am 22. und 23. September im bcc in Berlin stattfinden. Der Verband erwarte mehr als 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie mehr als 200 Speaker aus Wirtschaft, Politik und Forschung. Das Programm umfasse 140 Sessions.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt übernahm die Schirmherrschaft. Zu den angekündigten Gästen sollen Bundesminister Dr. Karsten Wildberger, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Jarzombek, Staatssekretär Dr. Thomas Steffen, die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur Dr. Daniela Brönstrup, der CIO im Bundesministerium der Verteidigung Michael Vetter, Dr. Tina Klüwer von AI NATION, Tom Becker von Mistral, Sarah Engel von Trumpf, Jasper Krauser von Airbus sowie Prof. Dr. Volker Gruhn von adesso gehören.
Weitere Informationen: Startseite Bitkom e. V.
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