Bädertag diskutiert Finanzierung und Zukunft der Kurorte
Der Thüringer Heilbäderverband hat in Bad Langensalza mit Vertretern der Landespolitik über die Entwicklung der Kurorte beraten. Beim 36. Thüringer Bädertag standen geplante Investitionen, die Reform des Kommunalen Abgabengesetzes und der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt.
Bis 2028 wollen Thüringens Heilbäder und Kurorte rund 160 Millionen Euro investieren. Rund 70 Teilnehmer tauschten sich dazu mit Gesundheitsstaatssekretärin Tina Rudolph, Innenstaatssekretär Andreas Bausewein und Wirtschaftsstaatssekretär Marcus Malsch aus.
Heilbäderverband fordert Beteiligung privater Geldgeber
Der Thüringer Heilbäderverband wolle private Investoren stärker für Projekte in den Kurorten gewinnen. Nach Einschätzung des Verbands können private Geldgeber zusätzliches Kapital und unternehmerische Impulse einbringen.
„Die Verbindung aus Kurtradition, natürlicher Heilmittelvielfalt und modernen Therapie- und Erholungsangeboten ist unser Wettbewerbsvorteil. Doch nur durch eine Kombination von öffentlichen und privaten Investitionen in die Kurinfrastruktur können wir unsere starke Position auch weiterhin behaupten“, sagte Verbandspräsident Matthias Strejc.
Für Investitionen brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, erklärte Strejc. Dazu zählte der Verband auch eine Neuregelung des Kurbeitrags. Nach seiner Forderung sollen künftig Geschäftsreisende ebenfalls den Beitrag zahlen. Sie sollen nach Angaben des Verbands während ihres Aufenthalts Kurparks, Thermen und kulturelle Angebote nutzen.
Die geplante Reform des Thüringer Kommunalabgabengesetzes soll die dafür erforderliche rechtliche Grundlage schaffen. „Wir hoffen auf eine zügige Umsetzung der Reform. Sie stellt die Finanzierung der kurörtlichen Infrastruktur endlich auf eine breitere und verlässlichere Grundlage“, sagte Strejc.
Praxisbeispiele aus Friedrichroda und Bad Berka
Eine Gesprächsrunde mit privaten Unternehmern und kommunalen Akteuren zeigte Beispiele für Investitionen in Kurorten. Falk Ortlepp vom WOMO-Bahnhof Friedrichroda, Doah Kharbeiti vom Hotel „Das Goethebrunnen“ in Bad Berka, Bad Berkas Bürgermeister Michael Jahn und Kathrin Pabst von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen berichteten über ihre Erfahrungen.
Im Mittelpunkt standen die Anforderungen privater Unternehmen sowie die Zusammenarbeit mit Kommunen.
1,3 Millionen Übernachtungen im ersten Halbjahr
Die Mitgliedsorte des Thüringer Heilbäderverbands sollen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.301.691 Übernachtungen gemeldet haben. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sei die Zahl um ein Prozent gestiegen. Die 17 Mitgliedsorte seien damit auf 29 Prozent aller Übernachtungen in Thüringen gekommen.
Die Gäste seien durchschnittlich 5,2 Tage geblieben. Die längeren Aufenthalte von Kurgästen beeinflussten diesen Wert. Die Auslastung der Beherbergungskapazitäten sei bei 52,3 Prozent gelegen.
Kurorte wollen KI stärker nutzen
Eine Umfrage des Verbands zeigte, dass die Kurorte Künstliche Intelligenz bislang vor allem für Texte, Recherchen und Marketing einsetzen. Künftig soll sie auch bei Therapieplänen und in der Gästekommunikation eine größere Rolle übernehmen.
Matthias Burzinski von destinetCHANGE aus Bonn stellte beim Bädertag mögliche Anwendungen für den Arbeitsalltag vor. „KI ist kein Allheilmittel im Kurbetrieb, aber sie kann die Verwaltung entlasten, den Gästeservice verbessern oder den Energieverbrauch im Bäderbetrieb senken.“ Zugleich brauche es einen kritischen Blick dafür, wo persönliche Beratung und menschliche Begegnung unersetzlich seien.
Der Thüringer Heilbäderverband richte den Bädertag seit 1991 jährlich an wechselnden Orten aus. Die nächste Veranstaltung soll 2027 in Bad Lobenstein stattfinden.
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