Tourismus Oberbayern München setzt auf Besucherlenkung
Der Tourismus Oberbayern München e.V. rückte das Thema Besucherlenkung in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Der Verband hat damit das Ziel, Gästeangebote, Naturschutz, Mobilität und Lebensqualität in Oberbayern dauerhaft aufeinander abzustimmen verbunden.
Zu den Maßnahmen zählten die GeHEIMATorte, mit denen der TOM e.V. auf besondere und weniger bekannte Ziele aufmerksam machte. Hinzu kamen die Wasser-Radlwege, die Gäste durch verschiedene Teile der Region führen und neue Ausflüge anregten. Digitale Echtzeitinformationen, nachhaltige Mobilitätsangebote und Beratung vor Ort sollen Besucherinnen und Besuchern die Orientierung erleichtern.
Nach Angaben des Verbandes sollen mehr als 120 Tourist-Informationen und Infopoints Gäste in der Region unterstützen. Schon während der Corona-Pandemie setzte sich der TOM e.V. mit Besucherlenkung auseinander. Für den Ausflugsticker Oberbayern erhielt der Verband den ADAC-Tourismuspreis. Inzwischen ziehe sich das Thema durch zahlreiche Projekte. Nach Angaben des TOM e.V. sollen so neue Ziele sichtbar werden und die touristische Wertschöpfung stärker in der Region verteilt werden.
Auch die aktuelle Ausgabe der Wertschätzungskampagne des TOM e.V. haben das Thema aufgegriffen. Laut Verband sollen Videos, Praxisbeispiele und ein Faktenkompass veranschaulichen, wie Besucherlenkung Gästeerlebnisse unterstützen, Natur schützen und die touristische Wertschöpfung stärken kann.
„Besucherlenkung bedeutet für uns nicht Einschränkung, sondern Service. Unser Ziel ist es, Gästen die besten Erlebnisse zu ermöglichen und gleichzeitig Lebensqualität, Natur und Infrastruktur zu schützen“, sagte Oswald Pehel, Geschäftsführer des Tourismus Oberbayern München e.V.
Im Interview erläuterte Pehel, welche Rolle Digitalisierung, Mobilität, Naturschutz und Tourismuswertschätzung dabei spielen.
„Herr Pehel, viele Menschen verbinden Besucherlenkung zunächst mit Einschränkungen. Warum greift dieses Bild heute zu kurz?
Besucherlenkung bedeutet heute vor allem Orientierung und Inspiration. Unser Ziel ist es nicht, Gäste von bestimmten Orten fernzuhalten, sondern ihnen die bestmöglichen Erlebnisse zu ermöglichen. Wenn stark nachgefragte Ausflugsziele durch attraktive Alternativen ergänzt werden, profitieren Gäste, Einheimische und die gesamte Region gleichermaßen. So wird Besucherlenkung zu einem echten Mehrwert für alle Beteiligten.
Welche Rolle spielen dabei die Tourist-Informationen in Oberbayern?
Sie spielen eine äußerst wichtige Rolle. Oberbayern verfügt über ein flächendeckendes Netzwerk von mehr als 120 Tourist-Informationen und Infopoints. Sie sind längst nicht mehr nur Anlaufstellen für Prospekte, sondern wichtige Ansprechpartner für Gäste und ein zentraler Baustein moderner Besucherlenkung. Gerade die persönliche Beratung spielt nach wie vor eine große Rolle, wenn es darum geht, individuelle Empfehlungen zu geben und neue Orte erlebbar zu machen.
Digitalisierung wird häufig als Schlüssel für die Besucherlenkung der Zukunft genannt. Welche Bedeutung hat sie bereits heute?
Eine sehr große. Digitale Anwendungen ermöglichen es Gästen, sich bereits vor einem Ausflug oder während ihres Aufenthalts über aktuelle Gegebenheiten zu informieren. Der Ausflugsticker Bayern ist dafür ein gutes Beispiel. Die Zukunft liegt aus unserer Sicht in der intelligenten Nutzung von Echtzeitdaten und perspektivisch auch in datenbasierten Prognosen, die Entwicklungen frühzeitig sichtbar machen und Gästen noch bessere Entscheidungen ermöglichen.
Wie gelingt es Oberbayern, Besucherinnen und Besucher für weniger bekannte Regionen zu begeistern?
Indem wir die enorme Vielfalt der Region sichtbar machen. Mit den GeHEIMATorten stellt der TOM e.V. bewusst besondere Plätze und Erlebnisse abseits der bekannten Hotspots vor. Gleichzeitig schaffen Angebote wie die Wasser-Radlwege attraktive Anlässe, Regionen neu zu entdecken. So entstehen neue Reiseanlässe und zusätzliche Wertschöpfung für viele Orte in Oberbayern.
Welche Rolle spielt nachhaltige Mobilität dabei?
Eine zentrale. Wer Gästen attraktive Alternativen zum Auto bietet, schafft gleichzeitig mehr Möglichkeiten für eine nachhaltige Fortbewegung vor Ort. Auch die Verlagerung des Freizeitverkehrs weg vom Auto und hin zum ÖPNV ist eine Form der Besucherlenkung. Viele Regionen in Oberbayern integrieren den öffentlichen Nahverkehr bereits in ihre Gästekarten oder entwickeln entsprechende Angebote weiter. Die Verknüpfung von Tourismus und Mobilität wird künftig ein noch wichtigerer Erfolgsfaktor sein.
Tourismus und Naturschutz werden oft getrennt betrachtet. Wie sehen Sie das?
Für uns gehören beide untrennbar zusammen. Die Natur ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Tourismus in Oberbayern. Besucherlenkung trägt dazu bei, sensible Naturräume zu schützen und gleichzeitig hochwertige Naturerlebnisse zu ermöglichen. Erfolgreich ist das vor allem dann, wenn Tourismus, Naturschutz, Kommunen und Mobilitätsanbieter gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Warum spielt die Akzeptanz des Tourismus für die Zukunft Oberbayerns eine so wichtige Rolle?
Tourismus lebt vom Miteinander. Deshalb ist es wichtig, die positiven Auswirkungen des Tourismus sichtbar zu machen. Mit unserer Wertschätzungskampagne zeigen wir seit letztem Jahr, welchen Beitrag der Tourismus für Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung, kulturelle Angebote und die Lebensqualität in Oberbayern leistet. Die aktuelle Kampagnenausgabe widmet sich dem Thema Besucherlenkung und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie moderne Tourismussteuerung Mehrwert für Gäste, Einheimische und Natur schaffen kann.
Unser Ziel ist ein Tourismus, von dem Gäste, Betriebe und die Menschen vor Ort gleichermaßen profitieren. Eine gezielte Besucherlenkung steigert auch die Tourismus-Wertschätzung in der Bevölkerung und zeigt, dass der TOM e.V. seine Managementaufgabe für Besucherströme ernst nimmt.
Wo sehen Sie Oberbayern beim Thema Besucherlenkung in fünf Jahren?
Wir werden noch stärker datenbasiert arbeiten und Gästen individuelle Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen können. Gleichzeitig werden nachhaltige Mobilität, regionale Wertschöpfung und die Akzeptanz des Tourismus weiter an Bedeutung gewinnen. Gerade das Wertschöpfungs-Management ist wichtig, dass auch dezentrale Ziele viel Erlebnisqualität bieten können und dadurch Wertschöpfung in die Region ziehen.
Technologie wird dabei ein wichtiger Enabler sein – entscheidend bleibt jedoch die enge Zusammenarbeit von Tourismus, Kommunen, Mobilitätsanbietern, Naturschutz und den Menschen vor Ort. Oberbayern hat beste Voraussetzungen, um zu zeigen, wie Tourismus der Zukunft erfolgreich gestaltet werden kann.“
Weitere Informationen:
Besucherlenkung – Tourismus Oberbayern Partnernetz
Bild © Goran Gajanin – Oswald Pehel, Geschäftsführer Tourismus Oberbayern München
