Studie zeigt wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Bayerns Regionen

Reisende gaben 2024 in Bayern rund 10,9 Milliarden Euro im Einzelhandel aus. Das zeigte eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr. Insgesamt erreichten die touristischen Ausgaben im Freistaat einen Bruttoumsatz von 37,5 Milliarden Euro. Damit entfiel nahezu jeder dritte Euro auf den Handel.

Das dwif erstellte die Untersuchung gemeinsam mit Tourismus Oberbayern München e.V. TOM, Tourismus Ostbayern e.V., der Allgäu GmbH, der Tourismus Initiative München TIM, dem Bayerischen Zentrum für Tourismus BZT, der IHK für München und Oberbayern sowie dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern. Die Studie untersuchte erstmals die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Tourismus und Einzelhandel in Bayern.

Reisende sollen 2024 unter anderem Lebensmittel, regionale Produkte, Kleidung und Waren in Fachgeschäften gekauft haben. Im Durchschnitt sollen von 50 Euro touristischer Ausgaben etwa 15 Euro in den Einzelhandel geflossen sein. Übernachtungsgäste und Tagesgäste sollen gleichermaßen zu dieser Nachfrage beigetragen haben.

Tagesgäste erzeugen zusätzliche Nachfrage

Vor allem Tagesgäste sollen in Innenstädten, Ortskernen und Ausflugsregionen für zusätzliche Besucher gesorgt haben. Ihre Ausgaben seien dort dem örtlichen Handel zugutegekommen. Einkaufsfahrten sollen laut Studie zu den Reiseanlässen mit den höchsten Ausgaben im Einzelhandel gehört haben.

Die Studienpartner sahen deshalb Chancen in gemeinsamen Angeboten von Tourismus, Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeitwirtschaft. Gemeinsame Vermarktungsaktivitäten und abgestimmte Angebote sollen Besucher länger am Ort halten können und zusätzliche Ausgaben auslösen.

Die wirtschaftlichen Effekte unterschieden sich zwischen den Regionen. Auch das Reiseverhalten und die Ausgaben der Gäste seien je nach Destination unterschiedlich ausgefallen. Tourismusorganisationen und Kommunen sollen ihre Konzepte daher an den örtlichen Strukturen und den jeweiligen Zielgruppen ausrichten müssen.

Partner wollen Zusammenarbeit ausbauen

Die Ergebnisse sollten den Tourismusorganisationen in Oberbayern, Ostbayern und im Allgäu bei der weiteren Planung helfen. Auch Kommunen, Handelsunternehmen, Gastronomiebetriebe und Freizeitanbieter sollen die Daten für ihre Angebotsentwicklung nutzen können.

„Ohne den Tourismus gäbe es weniger Einzelhandelsgeschäfte vor allem in den ländlichen Regionen. Mit rund 11 Mrd. Euro Kaufkraft stützen sowohl die Tagesgäste als auch die Übernachtungsgäste den Einzelhandel in den bayerischen Städten und Regionen,“ erklärte Prof. Alfred Bauer vom Bayerischen Zentrum für Tourismus.

„Die Studie bestätigt, dass Tourismus weit über das Gastgewerbe hinaus wirtschaftliche Impulse setzt. Gerade in Ostbayern profitieren Innenstädte, Ortskerne und regionale Betriebe von einer engen Vernetzung zwischen Tourismus, Handel und Freizeitangeboten. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, diese Zusammenarbeit weiter auszubauen, um die Attraktivität unserer Regionen nachhaltig zu stärken“, so Dr. Michael Braun, Geschäftsführender Vorstand beim Tourismusverband Ostbayern e.V.

„Vom Tourismus profitieren nicht nur Hotellerie, Gastgewerbe und Dienstleister in unseren Städten und ländlichen Regionen, sondern ganz besonders auch der Einzelhandel vor Ort. Von den 50 Euro, die ein Tourist am Tag ausgibt, klingeln 15 Euro in den Kassen der örtlichen Geschäfte. Der Fremdenverkehr zeigt damit erneut, welch wichtige Stütze er für den Einzelhandel ist. Hand in Hand tragen beide zur Belebung unserer Fußgängerzonen bei und sorgen für attraktive Innenstädte und Ortskerne. Miteinander abgestimmte, vielfältige Kooperationen, die mehr Touristen, Besucher und Gäste in die Orte locken, stärken zudem die Wertschöpfung vor Ort“, ergänzte Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern.

„Die Studie macht deutlich, dass Tourismus und Einzelhandel untrennbar miteinander verbunden sind: Jeder Gast stärkt nicht nur Hotels, Gastronomie und Kultur, sondern sorgt auch für zusätzliche Kaufkraft in unseren Innenstädten. Gerade für München zeigt sich, dass Investitionen in einen attraktiven Tourismus zugleich Investitionen in einen lebendigen Handel, eine starke Innenstadt und damit in die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Standorts sind.“, ergänzte Michael Höflich, Geschäftsführer der Tourismus Initiative München.

„Tourismus, Gastgewerbe und Einzelhandel sind keine getrennten Welten – im Gegenteil: Sie stärken sich gegenseitig. Unsere Gastgeber schaffen Aufenthaltsqualität und beleben Ortskerne und Innenstädte, während ein vielfältiger Einzelhandel die Attraktivität einer Destination zusätzlich erhöht. Dieses Zusammenspiel müssen wir noch konsequenter nutzen und durch starke Kooperationen vor Ort weiterentwickeln“, betonte Angela Inselkammer, Präsidentin des DEHOGA Bayern.

„Tourismus endet nicht an der Hotelrezeption. Gäste beleben unsere Innenstädte und Ortskerne, sorgen für zusätzliche Umsätze im Handel und setzen wirtschaftliche Impulse weit über das Gastgewerbe hinaus. Die Studie macht deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Tourismus, Handel, Gastronomie und weiteren Partnern ist. Genau dieses vernetzte Denken ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Tourismusentwicklung und prägt unsere Arbeit mit den Regionen und Partnern in Oberbayern“, betonte Oswald Pehel, Geschäftsführer von Tourismus Oberbayern München e.V.

„Tourismus ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Er schafft lebendige Ortszentren, stärkt den regionalen Einzelhandel und erhöht die Lebensqualität vor Ort. Davon profitieren Gäste, Einheimische und Unternehmen gleichermaßen – genau das macht eine starke Destination aus“, so Maria Rita Zinnecker, Vorsitzende des Tourismusverbandes Allgäu / Bayerisch-Schwaben.

Ergebnisse der Studie

  • Kooperationen zwischen Tourismus, Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeit sollen Kaufkraft in den Regionen binden können.
  • Der touristische Bruttoumsatz in Bayern habe 2024 bei 37,5 Milliarden Euro gelegen.
  • Der Einzelhandel habe davon 10,9 Milliarden Euro durch Ausgaben von Reisenden erzielt.
  • Nahezu jeder dritte touristische Umsatz-Euro sei dem Einzelhandel zugutegekommen.
  • Von 50 Euro touristischer Ausgaben sollen durchschnittlich rund 15 Euro auf den Handel entfallen sein.
  • Tagesgäste sollen einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung beigetragen haben.
  • Einkaufsfahrten sollen zu den ausgabenstärksten Reiseanlässen gehört haben.

Weitere Informationen: Home – Tourismus Oberbayern Partnernetz

Bild © Oberbayern, Aline Köhler