Mecklenburg-Vorpommern meldet zweitbestes Ergebnis seit 1990

Mecklenburg-Vorpommern hat in den ersten sieben Monaten 2026 das zweitbeste Ergebnis seit 1990 erzielt. Das Statistische Amt des Landes registrierte 4,8 Millionen Ankünfte und 18,9 Millionen Übernachtungen. Die Ankünfte stiegen damit um 4,3 Prozent, die Übernachtungen um 1,6 Prozent. Deutschlandweit legte die Zahl der Übernachtungen im selben Zeitraum um 0,8 Prozent zu.

Die Landesregierung hat trotz der positiven Statistik erheblichen Handlungsbedarf gesehen. Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank hat auf steigende Kosten und eine zurückhaltende Ausgabenbereitschaft der Gäste verwiesen. „Der gute Saisonverlauf zeigt, wie attraktiv Mecklenburg-Vorpommern als Urlaubsland ist. Die erfreulichen Gäste- und Übernachtungszahlen dürfen aber nicht über die großen Herausforderungen für die Branche hinwegtäuschen. Steigende Kosten belasten die Betriebe, gleichzeitig sind viele Gäste zurückhaltender beim Geldausgeben. Umso wichtiger ist es, neue Zielgruppen zu erschließen und mehr internationale Gäste für Mecklenburg-Vorpommern zu gewinnen. Dabei haben wir auch im ländlichen Raum großes Potenzial. Zugleich wollen wir auch noch mehr attraktive, wetterunabhängige Angebote schaffen. Denn Mecklenburg-Vorpommern ist nicht nur im Sommer eine Reise wert: Bei uns in MV hat die Saison 365 Tage.“

Der DEHOGA Mecklenburg-Vorpommern bewertete die wirtschaftliche Lage der Betriebe deutlich kritischer als die Übernachtungszahlen. „Bei den aktuellen Übernachtungszahlen darf nicht außer Acht gelassen werden, wie angespannt die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe tatsächlich ist. Mehr Gäste oder Übernachtungen bedeuten längst nicht automatisch mehr Umsatz und schon gar nicht mehr Gewinn. Unsere Umfrage zeigt: Das Gastgewerbe steuert derzeit auf das siebte Verlustjahr in Folge zu. Fakt ist auch, dass die Betriebe nicht dauerhaft steigende Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten auffangen können, während gleichzeitig die Umsätze unter Druck stehen. Die Branche braucht daher endlich Entlastung und verlässliche Rahmenbedingungen, um zukunftsfähig zu sein. Dazu gehören der Erhalt der Minijobs, eine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit und ein konsequenter Abbau von Bürokratie.“

Saisonbewertung fällt geteilt aus

An der Branchenumfrage der MV Tourismus GmbH sollen rund 260 Betriebe und Organisationen teilgenommen haben. Dazu gehörten Unternehmen aus Beherbergung und Gastronomie sowie Freizeit- und Erlebnisanbieter, Tourist-Informationen und Kurverwaltungen.

Die Hauptsaison sollen 50 Prozent der Teilnehmenden positiv bewertet haben. Im Vorjahr habe dieser Anteil bei 53 Prozent gelegen. 27 Prozent sollen sich unzufrieden oder sehr unzufrieden geäußert haben. Für das gesamte erste Halbjahr sei die Bilanz schwächer ausgefallen. Nur 39 Prozent sollen den Zeitraum positiv bewertet haben, während 38 Prozent eine negative Einschätzung abgeben haben sollen.

Umsatz und Ertrag entwickelten sich bei einem größeren Teil der Unternehmen trotz der guten Hauptsaison rückläufig. 42 Prozent sollen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut beurteilt haben. 17 Prozent sollen sie als schlecht oder sehr schlecht bewertet haben. Inflation, Energiepreise, Personalkosten, Steuern und Bürokratie sollen das Geschäft nach Einschätzung der Befragten weiterhin belastet haben.

Der Arbeitskräftemangel habe 33 Prozent der Betriebe betroffen. Besonders häufig sollen Beschäftigte im Service, in der Küche und im Housekeeping gefehlt haben. Gleichzeitig seien die Preise touristischer Angebote im Durchschnitt um 7,2 Prozent gestiegen. 73 Prozent der Unternehmen sollen ihre Preise erhöht haben, 17 Prozent gesenkt und zehn Prozent sollen sie stabil gehalten haben.

Internationale Märkte bleiben schwierig

Rund 40 Prozent der befragten Betriebe sollen sich mit eigenen Angeboten an internationale Gäste gerichtet haben. Am häufigsten sollen sie auf digitale Zahlungsmöglichkeiten und mehrsprachige Informationen gesetzt haben. Die MV Tourismus GmbH wollte ihre internationalen Markt-Pools fortführen. 56 Partner aus Regionen, Beherbergung und Freizeitwirtschaft sollen sich daran beteiligt haben.

Die Bilanz der internationalen Nachfrage sei uneinheitlich geblieben. Von Januar bis Juli seien die Ankünfte aus dem Ausland um 5,5 Prozent auf rund 214.000 gestiegen. Die Übernachtungen seien dagegen um 3,1 Prozent auf 561.000 zurückgegangen. Die Niederlande sollen sich mit einem Plus von 15,3 Prozent besonders positiv entwickelt haben. Polen, die Schweiz und Österreich sollen Rückgänge gemeldet haben.

Auch die Charterverbindungen aus Österreich lieferten ein positives Signal. Der Veranstalter Eurotours habe für 19 wöchentliche Flüge von Wien nach Rostock-Laage eine Auslastung von 80 Prozent über die gesamte Sommersaison gemeldet. Die Verbindungen sollen fast 2.000 österreichische Gäste in die Region Rostock gebracht haben.

Betriebe beobachten neue Reisebedürfnisse

Die Umfrage zeigte, dass touristische Unternehmen verschiedene Trends aufgegriffen haben. 39 Prozent sollen mehr Reisen mit mehreren Generationen beobachtet haben. 31 Prozent sollen eine wachsende Nachfrage nach Workation-Angeboten registriert haben. 38 Prozent sollen ein stärkeres Interesse an Digital Detox gesehen haben.

Der Trend Coolcation habe für 18 Prozent der Betriebe eine Rolle gespielt. Dabei sollen Gäste kühlere Reiseziele als Alternative zu warmen Regionen gesucht haben. 14 Prozent sollen wahrgenommen haben, dass Gäste über KI-Anwendungen oder digitale Sprachassistenten auf Angebote aufmerksam geworden sind. Neun Prozent sollen eine steigende Nachfrage nach Kursen und Workshops beobachtet haben. 22 Prozent sollen Interesse an Reisen mit einem positiven Beitrag zur Region registriert haben.

Herbstgeschäft bleibt hinter Vorjahr zurück

Für Oktober sollen die befragten Betriebe eine Auslastung von 48 Prozent erwartet haben. Im Vorjahr sei die Erwartung bei 51 Prozent gelegen. Für November sollen sie 23 Prozent nach 25 Prozent im Vorjahreszeitraum genannt haben. Als Gründe sollen die angespannte wirtschaftliche Lage und hohe Mobilitätskosten gegolten haben. Der Urlaubsplanungsindex sei mit 81 Punkten deutlich unter dem Vergleichswert von 100 Punkten aus dem Herbst 2025 gelegen.

Die MV Tourismus GmbH setzte deshalb auf die Kampagne „Herbstlich Willkommen“. Sie stellte Naturerlebnisse in Nationalparks sowie Kulturangebote in Schlössern und Städten in den Mittelpunkt. Die Kampagne sei bundesweit online und zusätzlich mit Plakaten in sieben Städten gelaufen.

Barrierefreiheit und Veranstaltungen

Die DSR Holding plane die Zertifizierung von sieben Häusern nach dem Label „Reisen für Alle“. In Mecklenburg-Vorpommern sollen bereits mehr als 160 Orte, Einrichtungen und Angebote dieses Label tragen. Koserow erhielt im vergangenen Jahr als dritter Ort des Landes die Auszeichnung „Tourismusort Barrierefreiheit geprüft“.

Auch mehrere Veranstaltungen trugen zur touristischen Nachfrage bei. SailGP habe in Sassnitz rund 15.000 Besucherinnen und Besucher angelockt. Der Usedom Beach Marathon habe 300 Teilnehmende gezählt. Das Festival Airbeat One in Neustadt-Glewe habe 210.000 Musikfans erreicht. Eine Ausstellung mit einem Werk von Georg Baselitz in Prerow habe mehr als 6.000 Gäste angezogen. Zur Eröffnung des Goldenen Saals im Schloss Ludwigslust seien 8.700 Menschen gekommen.

Seenplatte mit stärkstem Wachstum

Die Mecklenburgische Seenplatte habe mit einem Plus von 5,0 Prozent den stärksten Übernachtungszuwachs erzielt. Usedom sei mit 3,0 Prozent gefolgt. Auch Vorpommern auf dem Festland, Westmecklenburg, Rügen und die Mecklenburgische Ostseeküste sollen zugelegt haben. Fischland-Darß-Zingst habe einen leichten Rückgang von 0,4 Prozent verzeichnet.

Bei den Betriebsarten seien die Übernachtungen besonders deutlich in Jugendherbergen und Hütten mit 8,3 Prozent sowie auf Campingplätzen mit 4,9 Prozent gestiegen. Ferienwohnungen und Ferienhäuser sollen um 1,7 Prozent zugelegt haben. Hotels und Hotels garnis seien auf Zuwächse von 0,9 beziehungsweise 1,0 Prozent gekommen. Vorsorge- und Rehakliniken sollen einen leichten Rückgang verzeichnet haben.

Weitere Informationen: Urlaub, Ferien und Reiseziele in Mecklenburg-Vorpommern

Bild © MV-T – Das sagen die Gastgebenden über die ersten sieben Monate und den Verlauf der Hauptsaison.