Landwirtschaft und Tourismus wollen Synergien stärker nutzen

Wie lassen sich Landwirtschaft und Tourismus enger verzahnen? Diese Frage stand im Online-Dialog „Landwirtschaft & Tourismus: Kooperation als Erfolgsfaktor für den ländlichen Raum“ des Bayerischen Zentrums für Tourismus BZT im Mittelpunkt.

Prof. Dr. Marco A. Gardini vom BZT hat auf Untersuchungen zu diesem Zusammenhang verwiesen. „Studien zeigen auch, dass es zu positiven Wechselwirkungen zwischen Tourismus und Landwirtschaft kommt, wenn beide Sektoren eng zusammenarbeiten“, so Gardini. Notwendig seien dafür „langfristige Kooperationen, professionelle Strukturen und ein gemeinsames Verständnis“.

Urlaub auf dem Bauernhof als etabliertes Modell

Regine Wiesend, Referatsleiterin im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, hat im Urlaub auf dem Bauernhof ein Beispiel gelungener Zusammenarbeit gesehen. In diesem Segment zähle Bayern zu den bedeutenden Bundesländern. Etwa 80 Prozent der Urlaubshöfe sollen das touristische Angebot als wichtig oder sehr wichtig bewertet haben. Auf einzelnen Betrieben habe der Tourismus bis zu 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht.

Wiesend zufolge gelte für weiteres Wachstum: „sind qualitativ hochwertige Angebote, eine stärkere Vernetzung und neue Ansätze in der Vermarktung entscheidend“. Der Freistaat förderte dies mit Qualifizierungsangeboten und Förderprogrammen. Zudem vernetzte er Höfe mit Tourismusorganisationen, Kommunen und weiteren Akteuren vor Ort.

Zukunftsaufgaben

Susanne Wibbeke, Geschäftsführerin des Verbands Blauer Gockel – Bauernhof- und Landurlaub e. V., zeigte, wie Betriebe gemeinsam vermarkten können. Der Verband stellte seinen Mitgliedern Produktlinien, Qualitätssiegel, Marketingmaßnahmen und digitale Services bereit. Dazu gehörten Online-Buchung, Gästeverwaltungssoftware und eine stärkere Präsenz in sozialen Medien.

Nach Wibbekes Einschätzung wirke der Urlaub auf dem Bauernhof in mehrere Richtungen: „Er stärkt die Wirtschaftlichkeit der Betriebe, leistet einen ökologischen und soziokulturellen Beitrag für die Region und fördert das Verständnis für die Landwirtschaft“. Die Höfe gelten damit als „wichtige Botschafter der bayerischen Landwirtschaft“.

Südtirol setzt auf gemeinsame Positionierung

Wolfgang Töchterle, Director Marketing der IDM Südtirol – Alto Adige, schilderte die strategische Seite. In Südtirol sollen Tourismus, regionale Erzeugnisse und die Positionierung der Region seit Jahren gemeinsam geplant haben. Das Programm „TourisMUT“ bündelte verschiedene Maßnahmen. Ziele seien der Ausbau regionaler Kreisläufe, mehr Direktvermarktung und der stärkere Einsatz regionaler Produkte in der Gastronomie gewesen.

Parallel sollen Landwirtschaft und Tourismus ihre Interessen besser abstimmen, etwa bei der touristischen Nutzung von Wegen und Flächen oder bei der Qualifizierung von Beschäftigten. Töchterle betonte: „Der entscheidende Hebel ist die systemische Zusammenarbeit: Wenn Landwirtschaft und Tourismus gemeinsam handeln und ihre jeweiligen Stärken einbringen, kann daraus ein echter Mehrwert für die gesamte Region entstehen“.

Weintourismus

Prof. Dr.-Ing. Jonas Müller leitet den Studiengang Kulinarik- und Weintourismus an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Am Beispiel des Frankens Weintourismus nannte er drei Erfolgsfaktoren: die Beteiligung der Bevölkerung, die regionale Identität sowie Professionalität und Qualität. Sein Schwerpunkt lag auf Erlebnissen statt auf Einzelprodukten, vom Anbau über die Verkostung bis zu Gastronomie und Übernachtung. Müller hielt fest: „Die Wertschöpfung endet nicht beim Produkt. Entscheidend ist es, daraus ein kulinarisches Erlebnis zu machen. Dafür braucht es die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gastronomie und Hotellerie“.

Dr. Juliane Urban leitet am Institut für Weinbau und Oenologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau den Bereich Beratung, Förderung und Strukturentwicklung. Sie erläuterte das Konzept „Franken – Wein.Schöner.Land“. Betriebe sollen anhand definierter Kriterien zertifiziert werden und im Rahmen der Kampagne „Reisen zum Wein“ auftreten. Das Konzept entwickelte sich laufend weiter, um auf neue Reise- und Konsumgewohnheiten sowie auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren zu können. Urban sagte: „Unser Ziel ist es, die Spitzenposition Frankens im Weintourismus durch ein lebendiges Netzwerk und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Angebote zu erhalten und auszubauen“.

Gemeinsame Perspektiven für den ländlichen Raum

In der Abschlussdiskussion zeigte sich, dass die Synergien zwischen Landwirtschaft und Tourismus künftig stärker genutzt werden sollten. Gardini zog daraus folgendes Fazit: „Die Zukunft des ländlichen Raums entscheidet sich nicht daran, wie erfolgreich Landwirtschaft und Tourismus jeweils für sich sind, sondern daran, was sie gemeinsam für die Region erreichen und was Bayern damit als Lebens- und Urlaubsraum einzigartig macht“.

Konflikte um Ressourcen und Nutzungen gelte es demnach zu vermeiden. Nötig sei eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit geteilter Wertschöpfung, gemeinsamen Zielen und einem Nutzen für die gesamte Region.

Weitere Informationen: Landwirtschaft & Tourismus: Kooperation als Erfolgsfaktor für den ländlichen Raum – Bayerisches Zentrum für Tourismus

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