Kliniken in Bad Mergentheim setzen auf frühe Gesundheitsvorsorge
Mehrere Kliniken und Gesundheitseinrichtungen in Bad Mergentheim haben ihre Angebote stärker auf die Vorbeugung chronischer Erkrankungen ausgerichtet. Sie untersuchen gesundheitliche Risiken frühzeitig und verbinden medizinische Diagnostik mit Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressbewältigung und mentaler Gesundheit.
Die Einrichtungen setzten dabei unterschiedliche Schwerpunkte. Einige Programme konzentrierten sich auf Stoffwechsel und Diabetes, andere auf körperliche Leistungsfähigkeit, Darmgesundheit oder mentale Stabilität. Digitale Anwendungen begleiteten die Teilnehmenden auch nach dem Aufenthalt in Bad Mergentheim.
Der Standort hat damit medizinische und therapeutische Angebote mit Elementen der klassischen Kur verbunden. Die Einrichtungen prüften, wie Menschen ihre Gesundheit langfristig erhalten und gesundheitsförderndes Verhalten in ihren Alltag übernehmen können.
Hufeland Klinik konzentriert sich auf Stoffwechselrisiken
Die Hufeland Klinik führte Prävention als eigenen Schwerpunkt. Ihr Angebot umfasste Kurz- und Longevity-Intensivprävention sowie das Konzept „Metabolic Prevention“. Dieses richtete sich an Menschen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes.
Am Anfang stand eine medizinische Untersuchung der individuellen gesundheitlichen Situation. Darauf bauten die weiteren Maßnahmen auf. Die Klinik kombinierte Ernährungsmedizin, Bewegung, Heil- und Basenfasten, Stressregulation und Coaching.
Auch psychische Belastungen spielten in dem Konzept eine Rolle. Chronischer Stress kann gesundheitliche Risiken verstärken und Veränderungen des Lebensstils erschweren. Die Hufeland Klinik wollte deshalb Stressmedizin, mentale Gesundheit und Gesundheitscoaching weiterentwickeln.
„Prävention ist dann erfolgreich, wenn sie den Menschen in seiner gesamten Lebenssituation betrachtet und ihn befähigt, Gesundheit dauerhaft in seinen Alltag zu integrieren“, sagte Angelika Wöppel-Wagener, geschäftsführende Gesellschafterin der Hufeland Klinik.
MEDIAN Klinik Hohenlohe misst körperliche Veränderungen
Die MEDIAN Klinik Hohenlohe arbeitete unter anderem mit RV Fit. Das Präventionsprogramm der Deutschen Rentenversicherung richtete sich an Berufstätige und erstreckte sich über mehrere Phasen.
Zu Beginn verbrachten die Teilnehmenden sechs Tage in der Klinik. Danach trainierten sie sechs Monate am Wohn- oder Arbeitsort. Ein dreitägiger Refresher bildete den Abschluss. Die Klinik erfasste zu Beginn und am Ende verschiedene körperliche Kennzahlen. Dazu gehörten Handkraft, maximale Sauerstoffaufnahme und Körperzusammensetzung.
Therapieleiter Dr. Ronald Burger hat in den Messungen auch eine Möglichkeit gesehen, Veränderungen des biologischen Alters sichtbar zu machen.
Das Programm setzte auf Krafttraining, Fasziengymnastik, Kneippen, Ernährung, Schlaf und Stressbewältigung. Die Klinik prüfte zudem, wie sie die Bad Mergentheimer Trinkkur einbinden kann. Damit verknüpfte sie Bestandteile der traditionellen Kur mit aktuellen Ansätzen aus Präventions- und Longevity-Medizin.
Kliniken Dr. Vötisch erweitern stationäre Angebote digital
Die Kliniken Dr. Vötisch haben neben RV Fit Präventionskurse nach § 20 SGB V angeboten. Das Spektrum reichte von Aqua-Fit und gerätegestütztem Krafttraining bis zur Seniorenfitness.
Das digitale Angebot „VötischSmart“ ergänzte die Kurse. Die Teilnehmenden konnten die Anwendungen unabhängig von Zeit und Ort nutzen. Die Caspar-Health-App ermöglichte ihnen den Austausch mit den Therapeuten.
Nach Angaben der Klinik seien die RV-Fit-Plätze bis weit in das Jahr 2027 hinein weitgehend ausgebucht. Die Einrichtung beobachtete seit mehreren Jahren ein wachsendes Interesse an Präventionsprogrammen.
Eine weitere Verbindung schaffte das Ambulante Therapiezentrum. Es ergänzte die stationäre Behandlung um die ambulante Nachsorge. Ärzte und Therapeuten stimmten sich zwischen Klinik und Therapiezentrum eng ab. Auf diese Weise erhielten die Patienten ein zusammenhängendes Angebot über den Aufenthalt hinaus.
Rehaklinik Ob der Tauber baut Präventionsbereich aus
Die Rehaklinik Ob der Tauber hat den Schwerpunkt auf RV Fit Kompakt gelegt. Das Programm verband Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung mit den Arbeitsfeldern Stoffwechsel und Darmgesundheit.
Die Teilnehmenden starteten mit einer einwöchigen Phase in der Klinik. Anschließend führten sie das Training mehrere Monate zu Hause fort. Die Therapeuten begleiteten sie digital über die Prothera Fit App. An der Entwicklung der App beteiligte sich die Rehaklinik. Eine spätere Auffrischungsphase in Bad Mergentheim sollte die Umsetzung im Alltag unterstützen.
„Wir erleben eine sehr hohe Nachfrage für das Präventionsprogramm RV Fit Kompakt und bauen die Prävention vergleichbar einer Fachabteilung aus“, sagte Christian Grüßing, Kaufmännischer Leiter der Rehaklinik Ob der Tauber.
Unterschiedliche Schwerpunkte ergänzen sich
Die Angebote der Bad Mergentheimer Einrichtungen unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung. Die Hufeland Klinik arbeite vor allem mit Menschen mit Stoffwechselrisiken. Die MEDIAN Klinik Hohenlohe messe körperliche Leistungsdaten und begleite Berufstätige über mehrere Monate. Die Kliniken Dr. Vötisch sollen auf Kurse, digitale Betreuung und die Verbindung von stationärer und ambulanter Therapie setzen. Die Rehaklinik Ob der Tauber bringe ihre Erfahrung in den Bereichen Stoffwechsel und Darmgesundheit ein.
Gemeinsam verfolgten die Einrichtungen einen präventiven Ansatz. Sie wollten Risiken erkennen, bevor daraus Erkrankungen entstehen. Dabei berücksichtigten sie neben medizinischen Faktoren auch das Verhalten und die Lebensbedingungen der Teilnehmenden.
Dr. Ronald Burger hat auch die Stadt als Bestandteil der Programme gesehen. Neben der eigenen Motivation seien „die Schönheit der Stadt, das Gruppenerlebnis und vor allem die direkte Wirkung unserer Maßnahmen“ wichtige Faktoren. Die Programme könnten zudem an die Geschichte Bad Mergentheims als Kurstadt anknüpfen. Bewegung, Ernährung, Schlaf und die Wirkung unterschiedlicher Wässer ließen sich mit den bestehenden Kompetenzen verbinden.
Netzwerk nimmt mentale Gesundheit in den Blick
Die Kitzberg-Akademie brachte im Präventionsnetzwerk „Taubertal Mental“ Partner aus Medizin, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft zusammen. Die Kitzbergklinik hat das Netzwerk initiiert.
Die Beteiligten wollten bestehende Angebote miteinander verknüpfen und neue Maßnahmen entwickeln. Sie richteten sich an Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und wollten deren mentale Gesundheit, Resilienz und Handlungsfähigkeit frühzeitig stärken.
Damit erweiterte das Netzwerk die medizinischen Präventionsangebote um einen Schwerpunkt für mentale Gesundheit. Körperliche und mentale Aspekte flossen in einem gemeinsamen Ansatz zusammen.
Einrichtungen fordern bessere Zugänge zur Prävention
Die Hufeland Klinik hat für Prävention auch eine politische Aufgabe gesehen. „Prävention darf kein Luxusgut sein.“ Die Klinik forderte, Prävention stärker in der Regelversorgung zu verankern. Politik, Krankenkassen, Ärzteschaft, Wissenschaft und Leistungserbringer müssten dafür enger zusammenarbeiten.
Auch die Kliniken Dr. Vötisch verwiesen auf die Folgen des demografischen Wandels. Eine alternde Gesellschaft brauche mehr Angebote, die Menschen bei der Gesunderhaltung unterstützen. Prävention müsse dabei verschiedene Lebensbereiche berücksichtigen und sich stärker an den einzelnen Menschen richten.
Die Einrichtungen in Bad Mergentheim wollen ihre Programme deshalb ausbauen und miteinander weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen eine frühere Risikoerkennung, eine individuellere Betreuung und ein besserer Zugang zu Präventionsangeboten.
Weitere Informationen:
Bad Mergentheim Kur- und Urlaubsstadt im Lieblichen Taubertal
Bild © Philipp Reinhard – Diabetes verhindern, das biologische Alter positiv beeinflussen, mentale Widerstandskraft stärken: Bad Mergentheims Kliniken entwickeln neue Antworten auf die Frage, wie Menschen länger gesund bleiben können.
