Ferienhausverband fordert belastbare Daten vor neuen Einschränkungen
Der Deutsche Ferienhausverband forderte eine datenbasierte Prüfung, bevor die Politik Kurzzeitvermietungen im Rahmen des geplanten Affordable Housing Act weiter einschränkt. Der Verband unterstützte das Ziel der Europäischen Kommission, den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu verbessern. Pauschale Eingriffe in Ferienwohnungen und Ferienhäuser lehnte er jedoch ab.
Nach Auffassung des Verbands müssen zunächst verlässliche Daten zeigen, welchen Anteil Kurzzeitvermietungen am Wohnraummangel in einzelnen Regionen haben.
„Die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Aber wir lösen die Wohnungskrise nicht, indem wir Ferienwohnungen pauschal dafür verantwortlich machen“, sagte Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands. „Wir müssen zuerst wissen, wo Wohnraum fehlt, welchen Anteil Ferienwohnungen daran haben und welche wirtschaftlichen Folgen Regulierungen nach sich ziehen. Erst dann kann über geeignete und verhältnismäßige Maßnahmen gesprochen werden.“
Verband verweist auf fehlenden Wohnungsbau
Der Entwurf der Europäischen Kommission hat Kriterien für Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt vorgesehen. Nach Einschätzung des Deutschen Ferienhausverbands darf die Politik daraus jedoch keine pauschalen Verbote für touristische Vermietungen ableiten.
Der Verband sah die wichtigsten Ursachen der Wohnungsnot im fehlenden Neubau, in langen Planungsverfahren und in hohen Baukosten. Diese Faktoren nannte auch ein Wohnungsmarktbericht der Europäischen Union. Die Kurzzeitvermietung spiele darin eine kleinere Rolle.
„Wenn Wohnraum fehlt, müssen in erster Linie Investitionen erleichtert und neuer Wohnraum geschaffen werden. Eine Ferienwohnung wird zudem nicht automatisch zur Mietwohnung, nur weil ihre touristische Vermietung verboten wird“, erklärte Schwefel.
Der Verband warnte davor, Einschränkungen von Ferienunterkünften mit einer langfristigen Wohnraumpolitik gleichzusetzen. Nach seinen Angaben habe der Anteil von Ferienwohnungen am gesamten Wohnungsbestand in Europa bei 1,2 Prozent gelegen. Zu diesem Ergebnis sei eine Studie des Joint Research Centre der Europäischen Kommission mit dem Titel „Place-based determinants of housing prices in Europe“ gekommen.
In Tourismusorten sei der Anteil höher ausgefallen. Dort bildeten Ferienwohnungen nach Angaben des Verbands einen wichtigen Teil des touristischen Angebots. Sie sicherten Einnahmen für örtliche Betriebe und trugen zur Beschäftigung bei. Erfahrungen aus anderen europäischen Regionen zeigten demnach, dass nur ein kleiner Teil der Ferienwohnungen dauerhaft in den Mietmarkt zurückgekehrt ist.
„Einschränkungen von Kurzzeitvermietungen können eine langfristige Strategie für mehr Wohnraum nicht ersetzen“, so Schwefel. „Ganz im Gegenteil: Regulierungen können gravierende wirtschaftliche Folgen für touristische Regionen haben.“
Ferienhausmarkt beeinflusst regionale Wirtschaft
Nach Angaben des Deutschen Ferienhausverbands sei in Deutschland fast jede zweite touristische Übernachtung auf eine Ferienunterkunft entfallen. Der Ferienhausmarkt habe demnach einen jährlichen Umsatz von rund 29 Milliarden Euro erzielt. Von dieser Nachfrage profitierten unter anderem Gastronomie, Einzelhandel und weitere touristische Anbieter (Studie: Der Ferienhausmarkt in Deutschland).
„Wer Kurzzeitvermietungen einschränkt, muss deshalb auch die Folgen für Menschen, Betriebe und die touristische Wertschöpfung in den Regionen berücksichtigen“, sagte Schwefel. „Ferienwohnungen schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand. Sie tragen damit auch zum Erhalt von Geschäften, Restaurants und Erholungs- und Freizeitangeboten bei, die für gute Lebensqualität sorgen.“
Neue Daten sollen Grundlage für Entscheidungen bilden
Die EU-Verordnung zur Kurzzeitvermietung gelte seit dem 20. Mai 2026. Sie schaffte nach Angaben des Verbands erstmals eine Grundlage für eine europaweite Datenerhebung. In Deutschland regelte das Kurzzeitvermietungs-Datenaustausch-Gesetz den Austausch der Daten mit der Bundesnetzagentur.
Der Deutsche Ferienhausverband setzte sich nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren für eine bessere Datengrundlage ein. Der Verband forderte nun, die neuen Informationen zunächst zu erheben und auszuwerten. Erst danach sollten weitere Eingriffe in die Kurzzeitvermietung auf den Prüfstand kommen.
„Wir haben lange darauf hingearbeitet, dass politische Entscheidungen nicht auf Schätzungen und Annahmen, sondern auf belastbaren Daten beruhen“, sagte Schwefel. „Diese Datengrundlage wird gerade erst geschaffen. Es wäre der falsche Weg, weitreichende Einschränkungen zu beschließen, ohne die neuen Daten abzuwarten. Erst dann lässt sich beurteilen, ob weitere Einschränkungen notwendig und verhältnismäßig sind.“
Weitere Informationen: Home – Deutscher Ferienhausverband e.V.
Bild © Deutscher Ferienhausverband – Michelle Schwefel
