bdo fordert bessere Rahmenbedingungen für die Bustouristik
Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen bdo hat bei einer öffentlichen Anhörung des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages fünf Forderungen für die Bustouristik vorgestellt. Im Mittelpunkt standen niedrigere Energiekosten, weniger Bürokratie und bessere Bedingungen für den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe.
Der Verband hat den Reisebus als Verbindung zwischen Städten und ländlichen Räumen gesehen. Viele touristische Ziele erreichten Reisende mit dem Bus auch ohne Bahnanschluss. Nach Einschätzung des bdo trage der Reisebus damit zur touristischen Erschließung und zur Verkehrswende bei.
Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen ist angespannt geblieben. Eine Befragung des bdo habe gezeigt, dass mehr als 90 Prozent der Bustouristikunternehmen die hohen Kraftstoffpreise als starke oder sehr starke Belastung einschätzten. 60 Prozent sollen die gestiegenen Kosten bei bereits gebuchten oder angebotenen Reisen nicht an die Kunden weitergeben können.
„Die hohen Kraftstoffkosten treffen unsere mittelständischen Unternehmen mit voller Wucht. Busreisen werden lange im Voraus kalkuliert und verkauft – steigende Dieselpreise lassen sich deshalb nicht einfach an die Kunden weitergeben. Statt kurzfristiger Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip brauchen unsere Unternehmen eine verlässliche und zielgerichtete Absenkung der Energiekosten. Ein Gewerbediesel für die bestehende Flotte und ein bezahlbarer Fahrstrompreis für die Transformation würden hier echte Planungssicherheit schaffen“, erklärte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard.
Auch die Nachfrage sei weiterhin unter dem Niveau vor der Krise geblieben. Im Gelegenheitsverkehr sollen Busunternehmen 2019 insgesamt 77,2 Millionen Fahrgäste befördert haben. 2025 habe die Zahl 46,3 Millionen erreicht. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität habe laut bdo auch 2029 keine Rückkehr zum Wert von 2019 erwartet. Zusätzlich sollen fehlendes Fahrpersonal, bürokratische Vorgaben und hohe Investitionen in neue Antriebstechnologien die Arbeit der überwiegend mittelständischen Unternehmen erschweren.
Der bdo forderte zunächst eine gezielte Entlastung bei den Energiekosten. Der Verband nannte einen Gewerbediesel für die bestehende Flotte, eine Ausweitung der Energiesteuerentlastung auf Reisebusse und einen bezahlbaren Fahrstrompreis als Maßnahmen.
Zudem verlangte der bdo eine steuerliche Gleichbehandlung der Verkehrsträger. Für den Schienenpersonenfernverkehr gelte der ermäßigte Umsatzsteuersatz. Den Luftverkehr sollen steuerliche Regelungen begünstigen. Reise- und Fernlinienbusse sollen dagegen dem vollen Umsatzsteuersatz unterliegen. Nach Ansicht des Verbands sollte auch für diese Angebote der ermäßigte Satz gelten.
Weitere Forderungen richteten sich gegen bürokratische und rechtliche Hürden. Der bdo wollte das papiergebundene Fahrtenblatt und aufwendige A1-Nachweise abschaffen. Außerdem forderte der Verband eine rechtliche Grundlage für die sichere Beförderung von Fahrgästen in Liegeposition. Damit sollen unter anderem Nachtverbindungen möglich werden.
Für den Umstieg auf Elektroantriebe verlangte der bdo verlässliche Förderprogramme und eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur, die auf die Anforderungen von Reisebussen ausgelegt sei. Die Unternehmen könnten emissionsfreie Fahrzeuge nach Einschätzung des Verbands nur unter wirtschaftlich tragfähigen Bedingungen einsetzen.
Auch in der Verkehrs- und Tourismusplanung sollte der Reisebus nach den Vorstellungen des bdo eine größere Rolle spielen. Der Verband forderte geeignete Zufahrten, Halte- und Parkmöglichkeiten sowie Ladeangebote an Städten und touristischen Zielen.
Der bdo habe den Bruttoumsatz des Bustourismus auf rund 14,5 Milliarden Euro beziffert. Im Gelegenheitsverkehr habe die Multiplikatorwirkung der Wertschöpfung nach Angaben des Verbands den Faktor 5,8 erreicht.
Weitere Informationen: Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) :: bdo.org und Stellungnahme_Anhoerung_Bustouristik_bdo.pdf
Bild © bdo – bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard bei der öffentlichen Anhörung zur Bustouristik.
