Hohe Temperaturen verändern Nachfrage und Betriebszeiten in Wien
Die Wiener Tourismuswirtschaft muss sich auf häufigere Hitzeperioden einstellen. Vertreter aus Gastronomie, Hotellerie, Reisebranche und Freizeitwirtschaft berichteten von veränderten Tagesabläufen, höheren Kosten und einer sinkenden Nachfrage an besonders heißen Tagen. Gleichzeitig forderten sie Unterstützung bei Investitionen und neue touristische Angebote.
Gastronomie verlagert den Betrieb in die Abendstunden
In der Gastronomie hat sich das Geschäft zunehmend in die späteren Stunden verschoben. Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien, sagte: „Für uns bedeuten die hohen Temperaturen zwei Dinge: Die Betriebszeiten verlagern sich nach hinten, wenn es am Abend dann kühler wird. Und die Umsätze gehen zurück, einfach weil sich die Laune auszugehen mit steigenden Temperaturen abkühlt.“
Einige Gasthäuser nutzten den Sommer für einen Betriebsurlaub. Andere bauten Urlaubsstände bei den Mitarbeitern ab. Auch der Schanigarten verlor bei extremer Hitze an Bedeutung. Peschta sagte: „Wir haben heuer gelernt, dass der Umsatzmotor Schanigarten nicht nur bei zu niedrigen Temperaturen stottert, sondern auch bei zu hohen. Und dass es künftig noch wichtiger sein wird, die Gasträume gut zu klimatisieren, auch wenn das natürlich die laufenden Energiekosten steigert.“
Hotellerie plant hohe Ausgaben für Kühlung
Die Hotellerie sah vor allem bei der technischen Ausstattung Handlungsbedarf. Felix Neutatz, Obmann der Wiener Hotellerie, sagte: „Nicht-klimatisierte Zimmer kann man in einem Sommer wie heuer nicht verkaufen. Das hat sich bewiesen.“
Viele bestehende Anlagen reichten laut Neutatz bei Außentemperaturen von 35 Grad und mehr nicht aus. „Viele Klimaanlagen sind für die Temperaturen des vergangenen Sommers einfach unterdimensioniert. Man bekommt damit die Zimmer nicht unter 25 Grad, wenn es draußen 35 und mehr hat. Da müssen die Wiener Hotels kräftig nachbessern“, erklärte er.
Für die Betriebe entstanden dadurch hohe Investitionskosten. „Das sind schon einmal mehrere 100.000 Euro, bei großen Hotels gehen neue Kühlanlagen auch schon weit über die Millionengrenze.“ Zusätzlich belastete der Betrieb der Anlagen die Budgets. Hotels müssten die Zimmer bereits vor der Anreise auf eine angenehme Temperatur bringen. Neutatz sagte: „Die haben wir ja auch schon jetzt. Und vor allem müssen wir unsere Zimmer ja schon vorab kühlen, auch wenn sie noch nicht verkauft sind. Denn ein ungekühltes Zimmer auf angenehme Temperatur zu bringen, geht nicht so schnell, da checkt ein Gast gleich wieder aus, wenn es 30 Grad im Raum hat. Deshalb müssen wir die Zimmer immer kühl halten, was natürlich die Kosten erhöht.“
Nachfrage könnte sich nach Norden verlagern
Hohe Temperaturen führten nach Einschätzung der Wiener Reisebüros nicht automatisch zu mehr Städtereisen. Gregor Kadanka, Obmann der Wiener Reisebüros, sagte: „Ab 30 Grad werden Städtereisen mühsam, das wissen die Gäste. Das heißt, sie verlegen ihre Trips entweder zeitlich, also in das Frühjahr oder den Herbst, oder örtlich und weichen in kühlere Städte etwa weiter im Norden aus.“
Davon könnten Städte wie Stockholm, Kopenhagen und Helsinki profitieren. Eine Verschiebung in kühlere Monate würde Wien jedoch vor ein Kapazitätsproblem stellen. Im September und Oktober sollen bereits viele Kongresse und Seminare stattfinden. Die Hotels seien in dieser Zeit gut belegt. Im Sommer fehle dagegen ein Teil der Geschäftsreisenden.
Kadanka sagte: „Der September und Oktober etwa sind die beliebtesten Monate für Kongresse und Seminare, da sind die Hotels in Wien schon bisher gut gefüllt. Im Gegensatz zum Sommer, wo ein großer Teil der Geschäftsreisenden wegfällt. Eine Verschiebung weiterer Städtetouristen vom Sommer in den Frühling oder Herbst ist also problematisch. Weil der tendenziell schwächere Sommer geschwächt und in der starken Saison davor und danach die Kapazitäten ausgeschöpft würden.“
Kühle Orte ziehen Besucher an
Bei den Freizeitbetrieben hat sich die Hitze unterschiedlich ausgewirkt. Angebote mit Schutz vor hohen Temperaturen oder Möglichkeiten zur Abkühlung verzeichneten eine stärkere Nachfrage. Dazu zählten laut Gerti Schmied, Obfrau der Freizeitbetriebe in der Wirtschaftskammer Wien, Museen, Freibäder sowie unterirdische Sehenswürdigkeiten wie die Kapuzinergruft und die Katakomben unter dem Stephansdom.
Die Betriebe passten zudem ihre Öffnungszeiten und Arbeitszeiten an. Schmied sagte: „Die Fremdenführer etwa werden ihre Führungen früher oder später am Tag anbieten, um die kühleren Stunden zu nutzen. Das machen auch schon die ersten Museen, so hat etwa das Belvedere im Sommer länger offen.“
Wirtschaftskammer verlangt Unterstützung und neue Angebote
Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, forderte Maßnahmen für die Anpassung der Betriebe. „Zum einen müssen die Betriebe bei der Transformation unterstützt werden, durch Investitionsförderungen und Freibeträge. Dazu braucht es Erleichterungen bei Genehmigungen, etwa für Klimageräte und Photovoltaikanlagen, um den nötigen Strom zu erzeugen.“
Darüber hinaus wollte Schmid das Veranstaltungsangebot in Wien ausbauen. „Zum anderen müssen wir aber auch zusätzliche Angebote schaffen, um weiterhin attraktiv für Gäste zu sein. So können wir uns noch stärker als Eventstadt positionieren, hier haben wir noch Aufholpotenzial.“
Dazu schlug er erneut ein eigenes Eventboard vor. Es soll zusätzliche Veranstaltungen nach Wien holen. Schmid sagte: „Das Vienna Convention Bureau hat uns als Kongress-Stadt an die Weltspitze gebracht. Das können wir auch im Eventbereich schaffen.“
Weitere Informationen: Wirtschaftskammer Wien – WKO
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