Deutsche Bahn steigert Ergebnis im ersten Halbjahr deutlich

Die Deutsche Bahn hat ihr Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 deutlich verbessert. Das Ergebnis nach Steuern im Kerngeschäft lag bei 147 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen Verlust von 760 Millionen Euro verbucht. Damit erreichte die DB erstmals seit 2019 wieder ein positives Halbjahresergebnis im Eisenbahngeschäft.

Der Umsatz sei um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro gestiegen. Das bereinigte operative Ergebnis habe sich um mehr als 650 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro erhöht. Für das Gesamtjahr rechnete die DB weiterhin mit schwarzen Zahlen. Der Konzern habe einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von etwa 600 Millionen Euro erwartet.

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, sagte: „Wir sind im ersten Halbjahr 2026 gut vorangekommen und haben eine wichtige Wegmarke erreicht. Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen: ein Erfolg. Auch wenn bei der Sanierung der Schiene nichts schnell geht, liefern wir jetzt Schritt für Schritt, was wir versprochen haben. Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Meilenstein, aber ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt!“

Die DB begründete die Ergebnisverbesserung mit der Entwicklung ihrer Geschäftsfelder. Zusätzlich senkte der Konzern erste Kosten und baute Stellen in der Konzernleitung sowie bei internen Dienstleistern ab.

Konzernumbau und Investitionen

Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen im Juni die neue Strategie „DB 2035“. Sie setzte auf Verlässlichkeit, Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Dafür wollte die DB den Konzern dezentraler und schlanker organisieren. Die Konzernleitung baute schneller Stellen ab als zunächst geplant. Nach Angaben der DB habe sie bereits rund 30 Prozent der für 2028 gesetzten Ziele erreicht.

Im ersten Halbjahr soll der Konzern 8,7 Milliarden Euro investiert haben. Das habe einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprochen und markierte den höchsten Halbjahreswert der Unternehmensgeschichte. Die eigenfinanzierten Nettoinvestitionen seien um 89 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gewachsen.

Einen Schwerpunkt bildete die Erneuerung des Schienennetzes. Evelyn Palla sagte: „Noch nie haben Bund und Bahn in einem Halbjahr so viel Geld in die Schieneninfrastruktur investiert. Wenn wir auf diesem Niveau weiterbauen, legen wir das Fundament für eine nachhaltig stabile Bahn. Ich meine eine Bahn, die schafft, wofür sie da ist: ihre Fahrgäste und die Transportgüter der Wirtschaft verlässlich ans Ziel bringen.“

Die Investitionen ließen die Nettofinanzschulden steigen. Zum 30. Juni seien sie mit 21,6 Milliarden Euro rund eine Milliarde Euro über dem Wert zu Jahresbeginn gelegen.

Für kurzfristige Verbesserungen im Kundenservice habe die DB rund 150 Millionen Euro bereitgestellt. Die drei Sofortprogramme betrafen Bahnhöfe, den Fernverkehr und die Kundenkommunikation. Im ersten Halbjahr sollen 44 mobile Handwerkerteams Schäden an Bahnhöfen repariert haben. Sicherheitskräfte sollen mehr als 100.000 Streifenstunden absolviert haben. Außerdem sollen täglich 220 zusätzliche Beschäftigte Tische, Sitzbereiche und mehr als eine Million Toiletten in Fernverkehrszügen gereinigt haben.

Personenverkehr legt zu

Die Züge der Deutschen Bahn sollen im ersten Halbjahr mehr als 960 Millionen Menschen befördert haben. Die Zahl der Reisenden sei damit um rund 17 Millionen oder 1,8 Prozent gestiegen.

DB Fernverkehr habe ein bereinigtes operatives Ergebnis von 148 Millionen Euro erzielt. Im ersten Halbjahr 2025 habe das Geschäftsfeld noch einen Verlust von 59 Millionen Euro ausgewiesen. Die zahlreichen Baustellen verringerten die Verkehrsleistung. Im zweiten Quartal sollen Umsatz und operatives Ergebnis dennoch spürbar zugelegt haben.

Seit April verzeichnete DB Fernverkehr höhere Ticketverkäufe. Seit Mai setzte das Unternehmen zusätzlich auf Angebotspreise für Familien, junge Menschen und Kurzentschlossene. 600.000 Fahrgäste sollen nach Angaben der DB das Last-Minute-Angebot genutzt haben. Mehr als 200.000 Reisende sollen ein Familienticket gekauft haben. Die kostenlose Jugend-BahnCard sollen mehr als 50.000 Menschen bestellt haben.

DB Regio habe ein operatives Ergebnis von 89 Millionen Euro erzielt. Die Umsätze seien um 4 Prozent gestiegen. Besonders auf Pendlerstrecken nahm die Nachfrage zu. Die DB führte das unter anderem auf die hohen Spritpreise zurück. Baustellen begrenzten das weitere Umsatzwachstum.

Bei DB Cargo sanken Transportleistung und Umsatz erneut. Die schwache Nachfrage aus der Stahl-, Chemie- und Automobilindustrie belastete das Geschäft. Das operative Ergebnis habe sich jedoch um 96 Millionen Euro verbessert. DB Cargo habe das Halbjahr mit einem Verlust von 1 Million Euro abgeschlossen. Das Geschäftsfeld setzte seinen Sanierungsplan fort und arbeitete dabei auch Vorgaben der EU-Kommission ab.

DB InfraGO habe ein operatives Ergebnis von minus 66 Millionen Euro erzielt. Die Betriebsleistung auf dem Schienennetz sei wegen der Bauarbeiten um 1 Prozent zurückgegangen.

Halbzeit beim Bauprogramm

DB InfraGO habe bis zur Jahresmitte rund 14.000 der für 2026 geplanten 28.000 Baustellen abgeschlossen. Die Korridorsanierung zwischen Hamburg und Berlin endete wie angekündigt. Im Juli nahm die DB außerdem die Strecken zwischen Hagen, Wuppertal und Köln, zwischen Hamburg und Hannover sowie zwischen Nürnberg und Regensburg wieder vollständig in Betrieb. Weitere Arbeiten starteten planmäßig, darunter die Sanierung der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden.

Bei der Pünktlichkeit sollen 87,5 Prozent aller Personenzüge ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung erreicht haben. Im Fernverkehr sei der Anteil bei 59 Prozent gelegen. 76 Prozent der Fernverkehrszüge seien mit weniger als 15 Minuten Verspätung angekommen. DB Regio habe eine Pünktlichkeit von 88,2 Prozent erreicht.

Die vielen Baustellen, der Wintereinbruch zu Jahresbeginn und die Hitzewelle im Juni beeinträchtigten den Zugverkehr. Die DB rechnete auch in den kommenden Jahren mit einer hohen Zahl an Baustellen.

Für DB Cargo bleibe die wirtschaftliche Lage besonders herausfordernd. Der Konzern verwies auf die schwache Konjunktur und die angespannte Situation der Infrastruktur. Für die weitere Sanierung halte die DB zudem eine ausreichende Finanzierung des Einzelwagenverkehrs für erforderlich.

Weitere Informationen: DB Konzern

Bild © Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont