Sparkassen-Tourismusbarometer: Schleswig-Holstein meldet 38,58 Millionen Übernachtungen 2025

Schleswig-Holstein hat 2025 im Tourismus neue Höchstwerte erreicht. Gleichzeitig sahen der Tourismusverband Schleswig-Holstein und der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein für 2026 ein unsicheres Umfeld. Beide Verbände stellten ihre Einschätzung und aktuelle Kennzahlen beim Sparkassen-Tourismusbarometer in Neumünster vor.
In den gewerblichen Beherbergungsbetrieben mit zehn und mehr Betten habe das Land 2025 insgesamt 9,69 Millionen Gäste und 38,58 Millionen Übernachtungen registriert. Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Die Holsteinische Schweiz habe bei den Übernachtungen um 3,0 Prozent zugelegt. An der Ostsee seien die Übernachtungen um 2,8 Prozent gestiegen. Damit habe die Region erstmals 19 Millionen Übernachtungen überschritten. An der Nordsee sei das Niveau erneut stabil geblieben. Für das Übrige Schleswig-Holstein habe das Barometer einen Rückgang von 1,0 Prozent ausgewiesen. Die Marketingkooperation Städte in Schleswig-Holstein e. V. meldete für 2025 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Tourismusminister Claus Ruhe Madsen sagte: „Wir können stolz auf ein erneutes Rekordjahr im Schleswig-Holstein-Tourismus zurückblicken“.
TVSH-Vorsitzender Hans-Jürgen Lütje hat auf die Bedeutung des Tourismus für Wertschöpfung, Beschäftigung und regionale Entwicklung verwiesen. Zugleich warnte er vor Selbstzufriedenheit. „Der Tourismus in Schleswig-Holstein ist weiterhin ein zentraler Wirtschaftsfaktor sowie ein wichtiger Impulsgeber für Beschäftigung und regionale Entwicklung. Dennoch dürfen wir uns aufgrund der wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten auf dem Erfolg nicht ausruhen.“
Für den Jahresauftakt 2026 zeigten Auswertungen aus dem Modellprojekt Kennzahlen einen Rückgang. Die Analyse umfasste Januar bis April 2026 einschließlich des Ostergeschäfts. Elf Modellorte lieferten dafür monatlich Daten zur Meldescheinstatistik und standen nach Angaben der Verbände für rund 43 Prozent der touristischen Gesamtnachfrage in Schleswig-Holstein. Das Übernachtungsvolumen habe in diesem Zeitraum um 9,2 Prozent unter dem Vorjahr gelegen, die Ankünfte um 9,7 Prozent.
Madsen führte den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück. „Der Rückgang dürfte auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückzuführen sein: Zum einen wirkte ein kühles Frühjahr dämpfend, zum anderen lagen die Osterferien 2026 früh, sodass sich ein Teil der Nachfrage eher zum Skiurlaub oder ans Mittelmeer orientierte,“ so Madsen. Hinzu kamen aus Sicht der Beteiligten Belastungen durch höhere Kraftstoffpreise und gestiegene Lebenshaltungskosten. Der TVSH nannte außerdem ein kurzfristigeres Buchungs- und Reiseverhalten. Lütje sagte: „Zwar zeigen aktuelle Analysen weiterhin eine hohe Reisebereitschaft und eine wachsende Ausgabeneigung, gleichzeitig nimmt jedoch auch die Unsicherheit der Verbraucher:innen zu – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Konsum.“
Beim Thema Qualität hat Madsen auf den Performance Score von TrustYou verwiesen. „Hier gibt es Positives aus Schleswig-Holstein zu berichten: Die Beherbergungsbetriebe in Schleswig-Holstein erreichten 2025 85,1 von 100 Punkten im Performance Score von TrustYou. Das war ein Plus von 1,1 Punkten im Vergleich zum Vorjahr.“ In den Kategorien Außenanlagen, Strände, Service und Zimmerausstattung verzeichnete Schleswig-Holstein laut Barometer überdurchschnittlich hohe Bewertungen.
SGVSH-Präsident Oliver Stolz ordnete die konjunkturelle Lage zurückhaltend ein. „Insgesamt deutet sich der von allen herbeigesehnte wirtschaftliche Aufschwung nur sehr zaghaft an. Gleichwohl steht die Wirtschaft in Schleswig-Holstein stabil und widerstandsfähig da. Der Tourismus insgesamt kann sich ganz gut behaupten - die Gastronomie und das Beherbergungsgewerbe haben es deutlich schwerer. Für 2026 waren die Vorzeichen zunächst positiv. Allerdings bewirken der Iran-Konflikt und die noch immer andauernde Sperrung der Straße von Hormus eine gravierende Störung und Verunsicherung. Gestiegene Energiepreise, die Ungewissheit hinsichtlich der Dauer der Sperrung bis hin zu möglichen Unterbrechungen von Lieferketten hemmen die für ein kontinuierliches Wachstum bzw. gute Konsumneigung notwendige Planungssicherheit. Die DIHK-Saisonumfrage weist zum Jahresbeginn 2026 ein Saldo von -5 aus, 2025 waren dies noch -15. Eine leichte Erholung ist also zumindest in Sicht und die Haltung der Betriebe kann als verhalten-abwartend bezeichnet werden. Die Lage ist komplex, wirtschaftlich ebenso wie geopolitisch. Viele Reisende fragen sich derzeit nicht nur, ob Reisen in bestimmte Länder möglich sind, sondern auch, ob sie diese angesichts der geopolitischen Lage überhaupt antreten wollen. Daraus ergeben sich zugleich Chancen für Schleswig-Holstein, denn Urlaub im eigenen Land steht bei den aktuellen Gegebenheiten wieder hoch im Kurs. Es braucht Optimismus und Zuversicht – gepaart mit politischer Klarheit und Richtung hinsichtlich der Rahmenbedingungen, um Investitionen wieder in Schwung zu bringen.“
Das Sparkassen-Tourismusbarometer setzte 2026 zudem thematische Schwerpunkte. Unter dem Titel „Tourismus 2035“ sei es um Nachfragetrends, Zielgruppen und die Folgen für Angebots- und Produktentwicklung gegangen. Ein weiterer Fokus habe auf Geschäftsreisen und dem MICE-Markt gelegen. Madsen sagte: „Der sogenannte MICE-Markt bietet neben dem klassischen privatmotivierten Leisure-Tourismus auch für Schleswig-Holstein Potenziale. In unserem Bundesland können wir mit Tagungen in Kombination mit Urlaubsgefühl punkten, mit besonderer Hotellerie und Locations und einer breit gefächerten Hochschullandschaft.“ Lütje ergänzte: „Über 85 Prozent der Veranstaltungen in Deutschland liegen im Segment bis 250 Teilnehmende und genau hier liegt das größte Angebot in Schleswig-Holstein. Um diese Potenziale zu nutzen, sollte die Vernetzung der Marktteilnehmenden intensiviert werden, über Kooperationen, Marketing und Vertrieb,“ unterstrich Lütje.
Madsen fasste zusammen: „Schleswig-Holstein befindet sich touristisch auf einem historischen Höchststand. Um diesen Erfolg dauerhaft zu sichern, müssen zentrale Zukunftsaufgaben wie die Weiterentwicklung der Qualität und der Ausbau nachhaltiger Infrastrukturen konsequent vorangetrieben sowie Trends und aufkommende Veränderungen frühzeitig erkannt werden.“
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