Dwif-Fakten-Kompass bilanziert zweitstärksten Winter im Deutschland-Tourismus

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Dwif-Fakten-Kompass bilanziert zweitstärksten Winter im Deutschland-Tourismus

 

Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (dwif) hat am 19. Mai 2026 seinen Fakten-Kompass für den Winter 2025/26 vorgestellt. Die Analyse basierte nach Angaben des dwif auf Zahlen aus dem eigenen Datenschatz wie dem dwif-Besucher*innenmonitoring und dem dwif-Tagesreisenmonitor sowie aus weiteren Quellen wie der amtlichen Tourismusstatistik, STR-Global und der Bundesagentur für Arbeit.

Übernachtungstourismus mit Rekordwinter

Der Winter 2025/26 habe 117,2 Millionen Übernachtungen verzeichnet und sei damit der zweitstärkste Winter in der Geschichte des Deutschland-Tourismus gewesen. Nur der Winter 2019/20 sei mit 120,3 Millionen Übernachtungen darüber gelegen. Gegenüber dem Vorjahr sei die Nachfrage um rund 2 Millionen Übernachtungen gestiegen.

Alle Destinationstypen übertrafen das Vorjahresergebnis. Berg- und Mittelgebirgsregionen sollen von der Schneedecke im Januar und Februar mit einem Plus von 7,1 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent profitiert haben. Die Küsten sollen 2,3 Prozent mehr Übernachtungen verzeichnet haben, die Städte 3,2 Prozent.

Das Saarland habe bei den Bundesländern mit einem Plus von 8,0 Prozent geführt, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 4,2 Prozent. Berlin sei das einzige Bundesland mit sinkenden Übernachtungszahlen von minus 2,7 Prozent gewesen.

Die Auslandsnachfrage sei um 1,6 Prozent auf 21,7 Millionen Übernachtungen gestiegen. Während die Niederlande und die Schweiz zugelegt haben sollen, seien die Zahlen aus den USA und Großbritannien zurückgegangen.

Der Ferienwohnungsmarkt sei der wichtigste Wachstumstreiber gewesen. Die Hotellerie, die rund zwei Drittel der Nachfrage generiert habe, soll ebenfalls zugelegt haben. Verluste habe es bei den Gruppenunterkünften gegeben.

Tagestourismus unter Druck

Das Tagesreiseverhalten sei volatil geblieben. Die durchschnittliche Zahl privater Tagesausflüge pro Kopf und Woche habe 2025 deutlich unter dem Niveau von 2018/19 gelegen. Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2026 sei ab März eine deutliche Zurückhaltung erfolgt.

Seit Anfang März 2026 sollen über 40 Prozent der Deutschen angegeben haben, aufgrund der Rahmenbedingungen weniger Tagesausflüge zu unternehmen. Zu Jahresbeginn seien es noch rund 33 Prozent gewesen. Die Trendwende habe parallel zum Angriff der USA und Israels auf den Iran eingesetzt. Das dwif habe die Zurückhaltung auf Konsumzurückhaltung und gestiegene Mobilitätskosten zurückgeführt.

Das Besucher*innenvolumen in der Freizeitwirtschaft habe im Zeitraum November 2025 bis Februar 2026 um 0,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Nur die Erlebnisangebote sollen mit plus 0,8 Prozent das Vorjahresergebnis übertroffen haben. Kulturangebote sollen das Niveau um 1,6 Prozent verfehlt haben, touristische Verkehrsträger um 4 Prozent. Die Besucherinnenzahlen der Natur- und Landschaftsattraktionen sollen um 12,8 Prozent eingebrochen sein.

Die Eintrittspreise seien um 4 Prozent gestiegen und damit stärker als die Inflationsrate. Höherpreisige Einrichtungen mit stimmigen Angeboten seien bis Februar 2026 trotz Sparneigung gefragt gewesen. Gespart worden sei an Zusatzangeboten wie Gastronomie und Souvenirs.

Gastgewerbe zwischen Stabilisierung und Insolvenzwelle

Im Winter 2025/26 seien bundesweit rund 3.400 mehr Gewerbe an- als abgemeldet worden. Damit habe das Gastgewerbe im vierten Jahr in Folge einen Überschuss verzeichnet.

Gleichzeitig sei die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2025 um 27,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Beherbergungsbranche sei mit einem Anstieg von 41,5 Prozent besonders stark betroffen gewesen, die Gastronomie habe ein Plus von 26,3 Prozent verzeichnet. Nach Angaben der Creditreform-Datenbank sollen gastronomische Betriebe Platz fünf unter den zehn Branchen mit dem höchsten Insolvenzrisiko in Deutschland belegt haben.

Die Hotellerie habe ihre Auslastung im Winter 2025/26 um 1,3 Prozentpunkte gesteigert. Die durchschnittlichen Zimmerpreise seien laut STR-Global um 0,8 Prozent gesunken. Der RevPAR habe mit 67,50 Euro dennoch ein höheres Niveau erreicht.

Rund 60 Prozent der Befragten sollen laut Nürnberg Institut für Marktentscheidungen im Januar 2026 angegeben haben, dass zu hohe Preise sie von häufigeren Restaurantbesuchen abhalten. Gleichzeitig habe sich eine ebenso große Gruppe bereit gezeigt, für hohe Qualität höhere Preise zu akzeptieren.

2025 seien rund 2,3 Millionen Menschen im Gastgewerbe tätig gewesen. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten sei gegenüber 2019 um rund 7 Prozent gestiegen, während die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse lediglich um rund 1 Prozent zulegt haben sollen.

Die aufgezeichnete Präsentation zum dwif-Fakten-Kompass von Anja Schröder und Karsten Heinsohn sei auf dem dwif-YouTube-Kanal verfügbar.

 

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