Städte in der Schweiz mit dem Rücken zur Wand: Sonntagsöffnung gefordert

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Zürich

 

Der Juli war in der Schweiz der erste Monat seit Ausbruch der Pandemie wieder mit dem Tourismus «in Betrieb» und vollem Tourismusmarketing. Entsprechend wichtige Aufschlüsse geben die jetzt veröffentlichten Hotellogiernächte-Zahlen.

Das Bundesamt für Statistik der Schweiz veröffentlichte die Logiernächte für den Monat Juli. Somit liegen nun zum ersten Mal nach dem Ausbruch der Pandemie Tourismusstatistiken für einen ganzen Monat mit touristischem Betrieb vor. Die große Beliebtheit von Sommerferien im Voralpen- und Alpenraum bei einheimischen Gästen bestätigt sich (+53 % mehr Hotelübernachtungen im Vergleich zum Juli 2019). Und die Schweizerinnen und Schweizer bleiben so lange in den Bergferien, wie seit 2009 nicht mehr: durchschnittlich 2.7 Nächte (+ca. 10 %).

Die erwarteten großen Rückgänge in den Städten werden jedoch bittere Realität: Bei fehlenden Übersee- und Geschäftstouristen vermögen auch Schweizerinnen und Schweizer diese Ausfälle nicht zu kompensieren. Besonders die Großstädte werden von den Einheimischen in ihren Sommerferien gemieden (-41 %). Kleinere Städte haben im Juli dagegen durchaus von Schweizer Hotelübernach­tungen profitiert (+37 %). Die Schweizer hatten scheinbar Lust auf Entdeckungsreisen in weniger bekannte Destinationen.

Neben den Großstädten leiden aber auch Regionen mit internationalen Leuchtturm-Destinationen wie das Wallis (-13 %) mit Zermatt und Verbier oder der Kanton Bern (-27 %) mit Interlaken. Auch hier fehlen die Übersee-Gäste.

Belgischer Boom in den Bergen

Aus den Nachbarländern Frankreich (-23 %) und Deutschland sowie den Niederlanden (beide -28 %) müssen zwar wie erwartet Rückgänge verbucht werden, jedoch machten viele dieser Gäste erfreulicherweise gleich nach der Grenzöffnung anfangs Juli trotz allem Ferien in der Schweiz. Insgesamt sind aus diesen Ländern rund drei Viertel der Gäste vom Vorjahr vor allem in die Schweizer Berge gereist. «Unsere europäischen Stammgäste vertrauen der Schweiz und ihren Schutzkonzepten, deshalb sind sie auch so schnell wieder zurückgekommen. Wir sind mit unserem «Clean&Safe»-Label auf dem richtigen Weg» freut sich Martin Nydegger, Direktor ST.

Die Touristen aus Belgien sind als eigentliche Bergsommer-Fans sogar für einen richtigen Boom im Berggebiet verantwortlich: hier gab es beinahe gleichviel Übernachtungen wie im Juli 2019 (-1 %). Alleine die Gäste aus diesen vier Ländern sorgten im Juli für knapp eine halbe Million Hotel-Übernachtungen in der Schweiz*.

Angebotsmarketing gestartet

Die Notwendigkeit, jetzt nicht nur für Schweiz-Ferien zu inspirieren, sondern auch rasch und massiv Buchungen auszulösen, habe ST nach eigenen Angaben früh erkannt. Neu gestalte ST deshalb das Angebotsmarketing, mit maximaler Buchungs-Convenience und preislicher Attraktivität. Besonders für die Städte und die Saison Herbst reagierten ST und ihre Partner auf das Bedürfnis auch nach kurzfristigen und Paketbuchungen.

In Deutschland wurde vor kurzem der «SwissSwap» lanciert. Im wichtigsten Auslandsmarkt der Schweiz soll originell geworben werden. ST ruft zu Bewerbungen auf, wer Ferien in der Schweiz am meisten brauche. Gewinnerinnen und Gewinner erhalten neben dem Reisepaket eine Ferienvertretung für ihre Arbeitsstelle, um in Ruhe in unser Land reisen zu können. Die Kampagne stieß in Deutschland auf großes Echo. «Deutsche Gäste reagieren positiv auf unsere Kampagne, nicht nur wegen dem Wettbewerb, sondern auch, weil sie den Schweizer Humor schätzen», so Martin Nydegger.

Drastische Maßnahmen notwendig: Lebendige Innenstädte auch sonntags

Doch besondere Marketingmaßnahmen reichten angesichts der existenziellen Krise im Städtetourismus nicht mehr aus. Im Rahmen der Angebotsoptimierung und um den Gästebedürfnissen besser zu entsprechen, habe ST einen dringenden Handlungsbedarf in den Innenstädten erkannt. Gemeinsam mit ihren Städte-Partnern verlangt ST deshalb die Belebung der Innenstädte als Tourismuszonen – endlich auch am Sonntag.

Nicht nur Gastronomie, sondern auch Detailhandel müssten in den innerstädtischen Tourismuszonen auch sonntags offen haben. «Unsere Gäste wollen lebendige Innenstädte erleben. Im Winter verlagert sich das touristische Erlebnis vermehrt nach innen. Damit gewinnt das gemütlich Stadterlebnis ‘Lädele’ an großer Bedeutung. Und das muss auch am Sonntag möglich sein. Sonst sehe ich schwarz für die Stadthotels», stellt Martin Nydegger klar.

ST erachtet diese Forderung in Absprache mit den Städten als dringlich. Dies insbesondere, da die Schweiz deren Umsetzung – im Gegensatz zur globalen Pandemiesituation – selber in der Hand habe. Martin Nydegger: «Es liegt nun an uns, diese Chance zu packen oder vorbeiziehen zu lassen».

www.switzerland.com
www.swissswap.ch

Bild: https://pixabay.com/de/photos/br%C3%BCcke-stadt-fluss-z%C3%BCrich-schweiz-4636745/