Bayern fürchtet um die Wirtshauskultur

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Bayerischer Tourismustag 2013 Franz Josef Pschierer klein


Auf dem Bayerischen Tourismustag in Nürnberg wurde eine neue Studie zur Bedeutung und zum Rückgang von Wirtshäusern für Bayern vorgestellt.

Wie steht es um die bayerischen Wirtshäuser? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sowie der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Bayerns eine Studie zum Wandel der Wirtshauskultur in Bayern in Auftrag gegeben. Die Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde beim Bayerischen Tourismustag in Nürnberg vorgestellt.

„Das Wirtshaus mit seiner Geschichte, Tradition und gesellschaftlichen Bedeutung aus Bayern nicht wegzudenken“, ist sich Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer sicher: „Es ist fester Bestandteil unserer gelebten bayerischen Kultur und hat unser Gemeinschaftsgefühl geprägt. Denn es ist nicht nur Ort des kulinarischen Genusses, sondern erfüllt darüber hinaus eine soziale Funktion. Ob Familienfeiern, Meinungsaustausch oder geselliges Beisammensein – im Wirtshaus kommt der gesamte Ort zusammen. Es stiftet Gemeinschaft und Identität.“

Die Studie gebe ihm recht, denn die Menschen suchten zunehmend nach Regionalität, nach Authentizität, nach Tradition und Heimat. Tatsächlich belege die Studie auch, dass vor allem jugendliche Befragte das Wirtshaussterben sehr emotional sähen und bedauerten. Das Interesse an persönlicher Kommunikation, ritualisierten Treffs und öffentlichen Rückzugsorten sei trotz digitalisierter Welt groß.

Vom Schankbetrieb zur Speisegaststätte

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes und des Statistischen Bundesamtes sei die Zahl der Wirtshäuser in Bayern zwischen 1980 und 2011 von knapp 7.900 Betrieben auf weniger als 4.400 Wirtschaften gesunken. In der Studie werde aufgezeigt, dass zwar die Zahl der reinen Schankbetriebe – die in der amtlichen Gastgewerbestatistik als Wirtshaus gezählt werden – zurück gehe. Das bedeute aber nicht, dass  alle diese Wirtshäuser geschlossen hätten. Viele hätten ihr Angebot um Speisen erweitert und fielen damit nicht mehr unter die Schankbetriebe sondern zählten als speiseorientierte Gastronomie. Des Weiteren würden Betriebe unter 1.700 Euro Monatsumsatz in den Statistiken nicht mehr erfasst, und verschlechterten die Daten zusätzlich.

Als Gründe für den Rückgang der Schankbetriebe führe die Studie u.a. Qualitätsmängel, fehlende Nachfolgeregelung oder auch geringe Innovations- und Investitionsbereitschaft an. Andere Betreiber beklagten in den geführten Experteninterviews im Rahmen der Erhebung die Konkurrenz von Vereinsheimen oder die zahlreichen Hygiene- und Feuerschutzvorschriften. Und schließlich, so die Studie vom Team des Lehrstuhls für Kulturgeographie, kämpfe das Wirtshaus gegen den gesellschaftlichen Wandel. Gegen Landflucht, gestiegene Mobilität, Demografie und das veränderte Konsum- und Kommunikationsverhalten.

Das Fazit der Studie relativiere in jedem Fall beträchtlich das allzu reißerische Schlagwort vom Wirthaussterben in Bayern. Im Jahr 2006 gab es in 116 der insgesamt 2.056 bayerischen Gemeinden weder ein getränke- noch ein speisenorientiertes gastronomisches Angebot in einem entsprechenden Wirtshaus. Bis 2011 sei dieser Wert zwar auf 137 Gemeinden leicht angestiegen – bewege sich aber laut Studie sowohl in absoluten Zahlenwerten als auch im Verlauf des zeitlichen Wandels in engen Grenzen.

Erfolgskonzept für die Wirtshauskultur

In der Studie werden Beispiele vorgestellt, die zeigen sollen, wie ein Wirtshaus auch heute noch bestehen könne. Exemplarisch stehe dafür der Brauereigasthof Grosch im oberfränkischen Rödental – der sich beim Bayerischen Tourismustag als Best Practice-Beispiel präsentieren durfte. Hier habe man frühzeitig auf Diversifikation gesetzt. Die Familie Grosch/Müller habe seit über 150 Jahren kontinuierlich in ihren Betrieb investiert und führe das Geschäft in der sechsten Generation. 2011 eröffnete das neue Brauhotel, womit man einerseits den Gastrobetrieb besser auslaste und andererseits Übernachtungsmöglichkeiten für große Familienfeiern und Firmentagungen biete. Und die kleine Brauerei sei bekannt für ihre Getränkeinnovationen und saisonalen Biersorten.

Wirtshauskultur ein Faktor für den Tourismus

Auch im Hinblick auf den Tourismus sei ein Wirtshaus oder eine andere Einkehrmöglichkeit unverzichtbar, denn Besucher und Gäste müssten bewirtet werden können, wenn sie den Ort als touristische Destination besuchten. Und sie seien ein Aushängeschild für das Tourismusmarketing: „Unsere Besonderheiten, wie ein traditionelles Wirtshaus, sind es, die das Bild von Bayern in der Welt der prägen. Authentische Urlaubserlebnisse liegen voll im Trend und spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Wahl des Reisezieles“, betont Staatssekretär Pschierer. „Man will im Urlaub mit den Menschen in Kontakt kommen, die Bräuche und Traditionen hautnah erleben. Gibt es denn einen besseren Ort als ein traditionelles Wirtshaus dafür? Wohl wenige.“

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