Öffnungs-Hickhack in Mecklenburg-Vorpommern: Kritik am verpatzten Re-Start des Tourismus wird lauter

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Michelle Schwefel

 

Nach den Plänen der Landesregierung sollen Übernachtungen in touristischen Unterkünften in Mecklenburg-Vorpommern für in- und ausländische Gäste erst einmal bis zum 13. Juni 2021 verboten bleiben. Damit liegt das Reiseland Mecklenburg-Vorpommern im Öffnungskalender weit hinten. In der Branche rumort es. Der Deutsche Ferienhausverband kritisiert vor allem die Kommunikation.

Lediglich Landeskindern soll nach aktuellem Stand demnach das Reisen bereits eine Woche früher erlaubt werden. Nun aber hat sich Ministerpräsidentin Schwesig erneut geäußert, dass unter günstigen Bedingungen doch schon eine Woche früher für alle geöffnet werden könnte. Viel zu spät und völlig chaotisch, sagt der Deutsche Ferienhausverband und kritisiert die unklare Linie des Landesregierung. Die Folge: Stornierungen, Umbuchungen, Neubuchungen und wachsender Unmut bei Gästen und Vermietern – ein enormer Kraftakt für alle Beteiligten.

„Die geplanten Öffnungen im Juni kommen viel zu spät. Der Branche gehen damit wichtige Einnahmen aus dem Pfingstgeschäft verloren“, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin beim Deutschen Ferienhausverband. „Der Schlingerkurs der Bundesregierung sorgt obendrein für Frust und Verunsicherung bei Gästen und Gastgebern und verursacht hohe Kosten. Was der Tourismus jetzt braucht, ist eine schnelle, verlässliche Perspektive. Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den vier wichtigsten Ferienhausdestinationen Deutschlands. Der Ferienhaustourismus stellt in dem strukturschwachen Bundesland einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Die Landesregierung öffnet zu Pfingsten die Gastronomie und lässt Tagestouristen einreisen, während autarke Beherbergungsformen wie Ferienwohnungen geschlossen bleiben. Dass das Robert-Koch-Institut touristische Übernachtungen in Betrieben mit Hygienekonzept und Schutzmaßnahmen für unbedenklich hält, wird ebenso ignoriert wie die vielversprechenden Erfahrungen aus Modellregionen wie der Schlei-Region. Das ist nicht mehr nachvollziehbar.“

Kürzlich erst hatte der Deutsche Ferienhausverband in einem offenen Brief an die Politik erläutert, wie kontaktarmer Ferienhausurlaub funktioniert. Gäste reisen mit dem eigenen PKW an, die Schlüsselübergabe erfolgt kontaktlos, die Ferienwohnung ist frisch gereinigt und desinfiziert. Die Familie bleibt unter sich, frühstückt am eigenen Ferienhaustisch. Man verbringt den Tag in der Natur und die Abende vor dem Kamin. Der Ferienhausverband hat schon mehrmals darauf verwiesen, dass ein Urlaub in einem Ferienhaus nicht riskanter ist als ein Aufenthalt zuhause. Die Landesregierung bleibt die Erklärung schuldig, warum man dennoch an einem Verbot festhält.

„Es gibt keinen Grund, Ferienhäuser und Ferienwohnungen weiterhin geschlossen zu halten. Schleswig-Holstein hat gezeigt, dass es auch anders geht: Dort dürfen Beherbergungsbetriebe unter Auflagen wieder Gäste empfangen. Hygienekonzepte, Testregimes und Nachverfolgung haben sich bereits in den Modellregionen als wirksame Garanten für einen sicheren Urlaub erwiesen. Nun hat man die Regeln auf das ganze Land ausgedehnt. Gastgeber und Gäste haben klare Regeln und einen klaren Öffnungsplan“, erklärt Schwefel.

Die zögerlichen Beschlüsse der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern sorgen hingegen für zunehmende Verärgerung aufseiten von Urlaubern und Gästen. „Erst hieß es, Kinder von Geimpften und Genesenen dürfen nicht mit anreisen. Dann ließ man sich sehr viel Zeit, Öffnungsschritte auf den Weg zu bringen. Der Unmut über die sehr späte Öffnung hatte sich noch nicht gelegt, da ist es wieder unklar, ab wann nun tatsächlich geöffnet werden kann. Urlauber orientieren sich mittlerweile um und buchen da, wo Verlässlichkeit herrscht", sagt Schwefel. „Auch die Landeskinderregelung, die in der ersten Öffnungswoche gelten soll, ist ein Ärgernis, da die wenigsten Urlaubsgäste aus dem eigenen Bundesland kommen."

www.deutscher-ferienhausverband.de

Bild: Pressebild