Mallorca-Debatte: DFV fordert gleiche Chancen für alle Tourismusakteure

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Michelle Schwefel

 

Nach der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca sind allerorten kontroverse Diskussionen entbrannt. Der Deutsche Ferienhausverband versucht hier ausgleichend zu argumentieren. Er befürwortet grundsätzlich einen verantwortungsvollen Tourismus – auch auf internationaler Ebene.

Wenn Reisen ins Ausland wieder möglich sind, müsse es aber auch eine Perspektive für Inlandsreisen geben. Die Bundesregierung sehe für Ferienhäuser und Ferienwohnungen immer noch kein Öffnungskonzept vor, so der DFV. Touristische Übernachtungen bleiben generell und bundesweit verboten, auch wenn Landkreise ebenfalls mit niedrigen Inzidenzen aufwarten. „Ein Unding, dass der einheimische Tourismus diskriminiert wird“, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin beim Deutschen Ferienhausverband.

„Wenn Flugreisen und Hotels als sicher gelten, dann sind Ferienwohnungen und -häuser es allemal. Dort lassen sich Corona-Regeln noch problemloser einhalten. Man verreist mit dem eigenen Haushalt, hat keinen Kontakt zu anderen Gästen oder Servicepersonal. Die Anreise erfolgt häufig im eigenen PKW. Wir haben in Bayern Kreise mit einer Inzidenz unter 35. Der Inzidenzwert auf Fehmarn liegt derzeit bei 36. Und trotzdem ist es Touristen weiterhin verboten, dort zu übernachten“, erklärt Schwefel. „Die Politik muss aufhören, so zu tun, als ob ein Beherbergungsverbot die aktuellen Probleme löst. Das tut es nicht. Die Zahlen steigen, obwohl der Inlandstourismus verboten ist. Wir brauchen smarte Lösungen statt starrer Verbote. Die Branche hat dazu ihr Angebot gemacht. Die Politik darf das nicht länger ignorieren und einheimische Gastgeber massiv benachteiligen.“

Der Verband fordert, dass auf dem Bund-Länder-Gipfel am 22.03. endlich die Weichen für eine Öffnung des Ferienhaustourismus gestellt werden. „Es stehen Existenzen auf dem Spiel, nicht nur bei den Gastgebern. Dabei begrüßen wir zwar die Signale aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg, eine gemeinsame Lösung für die Nordländer bereits zu Ostern auf den Weg zu bringen“, sagt Schwefel. „Allerdings ergibt es aus unserer Sicht wenig Sinn, Reisen auf Angehörige des eigenen Bundeslandes zu beschränken.“

Der Verband verweist darauf, dass ein Urlauber aus Nordrhein-Westfalen nicht gefährlicher sei als einer aus Mecklenburg-Vorpommern. Es werde damit erst recht willkürlich, wer verreisen dürfe und wer nicht. Und die Kontrolle dürfte ebenfalls schwerfallen.

„Auch wenn wir nicht nachvollziehen können, wieso Lockerungen für den Inlandstourismus ausbleiben: Jetzt Reisen ins Ausland generell zu verunglimpfen, halten wir ebenfalls für den falschen Weg. Reisen ist nicht per se ein Pandemietreiber. Das hat das RKI in seinen jüngsten Publikationen bestätigt. Reisen ist dann gefährlich, wenn sich Reisende nicht an Regeln halten. Das gilt aber auch beim Einkauf im Baumarkt, beim Friseur, bei der Kosmetikerin oder im öffentlichen Nahverkehr. Das alles ist erlaubt. Der Aufenthalt im Ferienhaus aber nicht. Wir befürworten einen verantwortungsvollen Tourismus.“

Wie dieser funktioniere, habe die vergangene Sommersaison gezeigt. Die Branche verfüge über tragfähige Hygienekonzepte. Die Gäste verhielten sich umsichtig. Mit Schnelltests und Besucherlenkung könne man für weitere Sicherheit sorgen. „Reisende werden sich nicht aufhalten lassen“, sagt Schwefel. „Wer nicht am Urlaubsort übernachtet, unternimmt Tagesausflüge. Wer nicht im Inland urlauben darf, bucht einen Flug ins Ausland. Daher ist dingend zu überlegen, wie wir durch sinnvolle Maßnahmen einen Urlaub im eigenen Land kontrolliert und sicher gestalten.“ Ob ein Tourismusneustart in Deutschland bereits zu Ostern möglich ist, ist immer noch ungewiss.

Fast jeder zweite Gastgeber fürchtet seine Ferienhaustür für immer schließen zu müssen, wenn die Einnahmen weiterhin ausbleiben. Nur knapp 18 Prozent der Vermieter hätten einen Anspruch auf Wirtschaftshilfen (Quelle: Corona-Gastgeberumfrage 2021).

https://www.deutscher-ferienhausverband.de

Bild: Pressebild