"Enttäuschend" - "Geiselhaft" - "Nicht akzeptabel" - "Fassungslos"

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Unverständnis

 

Die Branchenreaktionen auf den erneut kaum nachvollziehbaren Beschluss der Bund-Länder Konferenz sind eindeutig - eindeutig negativ. Hier ein Kaleidoskop der Enttäuschung, des Unverständnisses und der Wut.

Deutscher Tourismusverband

DTV-Präsident Reinhard Meyer: "Die Ergebnisse sind für den Deutschlandtourismus sehr enttäuschend und nicht akzeptabel. Wenn statt einer Öffnungsstrategie wieder einmal nur eine Vertagung des Deutschlandtourismus auf der Tagesordnung steht, lässt das eine ganze Branche ratlos zurück."

Deutscher Ferienhausverband

„Das ist schlicht inakzeptabel“, kommentiert Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands. „Eine ganze Branche wird in Geiselhaft gehalten. Derweil die Politik für Einzelhandel, Dienstleistungen und Kultur wenigstens einen Einstieg in den Ausstieg aus dem Lockdown skizziert hat, bleibt sie dem Tourismus jede Perspektive schuldig. Stattdessen wird vom Reisen abgeraten und der Tourismus zum Sündenbock der Pandemie gemacht. Die Menschen werden sich nicht einsperren lassen, sondern auf Unterkunftsangebote der Nachbarländer oder auf Tagesausflüge zurückgreifen.“

Deutscher Reiseverband (DRV)

Aus Sicht des Deutschen Reiseverbandes (DRV) sind die Ergebnisse der Beratungen der MPK nicht nur enttäuschend – sie machen die Branche fassungslos. „Der Tourismus muss Teil der Öffnungsdebatte sein. Die Bundesregierung ignoriert ganz offensichtlich vorliegende Fakten mit Blick auf die geringe Infektionsgefahr im Tourismus. Dies sind: Erstens, dass die organisierte Reise nach einer Studie des Robert-Koch-Institut nachweislich kein Pandemietreiber ist. Zweitens, dass Hotels im Vergleich zu Privathaushalten nachweislich sicherere Orte sind. Drittens, dass das Ansteckungsrisiko in einem Flugzeug um ein Vielfaches geringer ist als etwa in einer S-Bahn. Verlässliche Wirtschaftspolitik sieht anders aus“, so DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Tourismus NRW

Tourismus NRW befürchtet ein massenhaftes Betriebssterben. „Die Ergebnisse der Bund-Länder-Gespräche sind ein Schlag ins Gesicht der gesamten Tourismusbranche. Von den groß angekündigten Öffnungsperspektiven für die Wirtschaft sehen wir nahezu nichts – nur für die Außengastronomie gibt es eine vage Perspektive“, moniert Dr. Achim Schloemer, Vorstandsvorsitzender von Tourismus NRW. "Vor Ostern muss es eine Öffnung mit entsprechenden Auflagen für unsere Betriebe geben, anderenfalls werden wir einen nie gesehenen Kahlschlag in der Tourismuslandschaft erleben, mit Auswirkungen nicht nur auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus, sondern auch auf die Attraktivität des Standortes Nordrhein-Westfalen und Deutschland als Ganzes."

Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz

"Die Tourismusbranche bleibt weiter auf der Strecke“, kritisiert Gabriele Flach, Vorsitzende des Tourismus- und Heilbäderverbandes Rheinland-Pfalz e.V. (THV) die aktuellen Beschlüsse. „Durchdachte und ausgewogene Konzepte für ein behutsames, aber planbares Öffnen der Branche, die auf der Bundes- und Landesebene vorliegen, werden nicht berücksichtigt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass selbst autarke Reiseformen, wie beispielsweise Übernachtungen in Ferienwohnungen, Wohnmobilreisen oder Camping, die ein Reisen und Wohnen mit Abstand und wenigen Kontakten ermöglichen, nicht ansatzweise Berücksichtigung fänden.

LTV SACHSEN

LTV-Vizepräsident Dr. Detlef Hamann: "Eine über Jahre klug strukturierte Investitionspolitik für den Tourismus droht ad absurdum geführt zu werden. Und das alles ohne klare, nachvollziehbare Gründe. Es ist schwer zu verstehen, dass Wirtschaftsbereiche wie der Tourismus mit besseren Kontrollmöglichkeiten mit dem aktuellen Beschluss außen vor bleiben sollen. Es geht um Vertrauen und Glaubwürdigkeit der Politik."

Tourismusverband Schleswig-Holstein

„Für die Tourismuswirtschaft sind die Beschlüsse von Bund und Ländern enttäuschend, nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel. Damit wird einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige ins Abseits gestellt und die Existenz von Unternehmen und Arbeitnehmern aufs Spiel gesetzt“ so Stephanie Ladwig, Vorsitzende des TVSH. „Über eine mögliche Öffnung soll erst am 22. März beraten werden, das ist als Vorlaufzeit für die Betreibe völlig unzureichend“, so Peter Douven, stellvertretender Vorsitzender des Verbands. Ladwig dazu: „Wir fordern nun, den von Ministerpräsident Daniel Günther angekündigten Sonderweg für Schleswig-Holstein zu gehen, im Idealfall mit anderen norddeutschen Bundesländern. Sowohl der TVSH als auch der DTV auf Bundesebene haben schließlich bereits konkret dargelegt, wie eine Öffnung des Tourismus verantwortungsvoll erfolgen kann.“

Landestourismusverband Brandenburg

Markus Aspetzberger, Geschäftsführer: „Schnell und unkompliziert – so müssen Perspektiven und Hilfen aussehen, die die Tourismuswirtschaft braucht, die Brandenburgs touristische Unternehmen mit ihren fast 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern brauchen. Nach vier Monaten Lockdown hat die Politik heute Nacht der Branche das genaue Gegenteil gegeben. Ein kompliziertes Regelwerk – und die Aussage, dass der Tourismus nach wie vor nicht Thema ist. Dass selbst das RKI darauf verweist, dass die Hotellerie kein Treiber in der Pandemie ist? Ignoriert. Man lässt auch den März noch vorüberziehen und droht das Bild wahrzumachen, das man mit einem Tippfehler in der Beschlussvorlage gezeichnet hat: aus der Branche wird eine Brache."

Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e.V.

BVCD-Präsident Dr. Gunter Riechey: "Wir fordern von der Politik eine Gleichbehandlung und fachlich-gerechte Auseinandersetzung mit unserer Branche."


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