Dr. Heike Glatzel - FUTOUR: "Tourismus als Querschnittsdisziplin ist gefragt"

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20161006 115112"Ich könnte mir vorstellen, dass die Urlaubswirklichkeit wieder stärker in den Vordergrund rücken wird."

 

Für mich persönlich stellt sich die Frage: Inwieweit wird sich die politische Lage und die gefühlte Unsicherheit auf den Deutschlandurlaub auswirken?

Kommt Deutschland wieder groß in Mode? Betrachtet man die Einschätzung der politischen Entwicklungen und das Phänomen der „German Angst“, so könnten steigende Tourismuszahlen von deutschen Sommer-Urlaubern in Deutschland zu erwarten sein, fallen doch für viele die Türkei, Ägypten oder Nordafrika als Reiseziele weg. Doch das ist etwas zu einfach. Für das Gros der Urlauber der klassischen Sonne-Strand-Destinationen stehen, wie der Begriff schon deutlich macht, Sonne, Baden und Meer im Vordergrund. So ist es wahrscheinlicher, dass es, wie schon in den letzten Jahren, auf den anderen klassischen Sommerurlaubsdestinationen eng werden kann. Deutschland steht hier weniger hoch im Kurs.  

Doch kann sich die politische Diskussion und die Art und Weise, wie sie vor Ort ausgetragen wird,  gravierend auf das Urlaubsverhalten der Inlandsurlauber auswirken. Urlaub ist immer die Zeit, die sich jeder so sorgenfrei wie möglich vorstellt und da gehört es dazu, sich keine Gedanken zur Politik zu machen. Deswegen werden Regionen und Orte, die ein sorgenfreies, relaxtes, fröhliches Image innehaben am ehesten profitieren. Regionen, die sich für den möglichen Gast als eher unfreundlich, schwierig, gespalten darstellen, werden eher gemieden.

So wird das Image der Urlaubsgebiete ein wichtiges Thema für die Touristiker in 2017 werden.

Was wird uns 2017 außerdem im Deutschlandtourismus beschäftigen?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Urlaubswirklichkeit wieder stärker in den Vordergrund rücken wird. Eine ganze Weile stand das Thema Service und Optimierung der Servicekette im Deutschlandurlaub im Vordergrund. Es sind Qualifizierungen und Qualitätssiegel entstanden und haben sich etabliert. Die letzten Jahre standen unter dem Zeichen Digitalisierung und neue Medien. Virtuell sind wir mittlerweile ziemlich gut, und werden immer besser.

Doch der Urlaub findet vor Ort statt und die Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Urlaubswirklichkeit ist für Orte und Regionen wichtig.  

Urlaubswirklichkeit: Was bedeutet das und was gehört dazu?

Urlaubswirklichkeit ist nichts anderes als das tatsächliche Gefühl, die Stimmung, die ich als Urlauber fühle, wahrnehme und erlebe. Dazu gehört die Atmosphäre, die ein Ort, eine Landschaft, die Gastronomie ausstrahlt. Im Detail bedeutet es attraktive Ortsbilder, stimmungsvolles Stadtgrün, Gärten und Parks, schöne alte Häuser (historische Baukultur), gelebte Baukultur, attraktive Geschäfte mit typischen regionalen Produkten, nette Cafés, stimmungsvolle Bars, gute Restaurants mit viel Atmosphäre und nicht zuletzt sympathische, offene und fröhliche Menschen.

Die Attraktivität eines Urlaubsortes, einer Urlaubsregion hängt von viel mehr ab als von guten touristischen Angeboten. Vieles können wir im Tourismus nicht direkt ändern, aber an vielem können wir gemeinsam mit der kommunalen Verwaltung, den regionalen Akteuren und Initiativen arbeiten und es positiv beeinflussen.

Tourismus als Querschnittsdisziplin ist gefragt - als Initiator und  Akteur.

Was wird uns überraschen?  

Keine Ahnung – das haben gute Überraschungen so an sich!
Von einem würde ich mich gerne überraschen lassen: ausreichend finanzielle Mittel für die Attraktivierung der Ortsbilder einschließlich des Stadtgrüns.

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