Hotellerie in Österreich: Fachkräfte werden teurer

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Eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts in Österreich zeigt: Hotels zahlen immer mehr für Mitarbeiter.

Österreichs Hotels sind im europäischen Vergleich mit durchschnittlich 49 Betten die kleinsten in Europa. Bei den Übernachtungen je Hotelunternehmen liegt nur Bulgarien (5.877) hinter Österreich (6.970). Darin sieht die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, eine Stärke: „Gerade in der Hotellerie kann man die persönliche Dienstleistung und den USP gar nicht hoch genug einschätzen, vor allem im Qualitätssegment. Da sind wir eine echte Macht.” Der gute sechste Platz bei den europäischen Marktanteilen für das kleine Land gibt Reitterer recht:
Nur deutlich größere Konkurrenten wie Marktführer Spanien (15,2 % Marktanteil), Frankreich (13,6 %), Großbritannien und Italien (je 11 %) sowie Deutschland (10 %) liegen vor Österreich mit 4,9 % Marktanteil an den internationalen Einnahmen.

Beherbergungserlöse steigen: Österreichs KMU punkten mit Qualität

Dr. Oliver Fritz, Studienautor und Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), verweist auf eine jährliche Zunahme der Nächtigungen in Österreichs Hotellerie um 0,6 % von 2008 bis 2014. Damit blieb Österreichs Hotellerie deutlich hinter dem Wachstum um 1,5 % p. a. in der EU zurück. Die Nächtigungserlöse im Beherbergungswesen haben, von einem hohen Niveau aus, deutlich stärker zugenommen: um durchschnittlich 2,4% je Nächtigung. „Da machen sich in erster Linie die konsequenten Investitionen in die Qualität bezahlt. Es machen sich aber auch die politisch verordneten Kostenanstiege der vergangenen Jahre bemerkbar“, verweist Reitterer auf die Streichung der Energieabgabenvergütung für Dienstleister und die Einführung der Auflösungsabgabe. Die Konsequenz: Die Gewinne stiegen nominell im Mittel um lediglich 1,2 % pro Jahr und blieben damit deutlich hinter den Erlösen zurück.

Stark steigende Mitarbeiterkosten von hohem Niveau, merkliche Reallohnzuwächse

Schon 2008 konnte Österreich laut WIFO als „Hochlohnland“ bezeichnet werden: Nur 6 EU-Länder wiesen damals höhere Mitarbeiterkosten auf. Doch seither stiegen die Mitarbeiterkosten noch deutlich: „Keine andere Position in unseren Bilanzen ist so stark gestiegen“, erklärt Reitterer und verweist auf das Hotelcockpit 2017, eine Benchmark-Analyse von ÖHV, ÖHT und Kohl & Partner: „Die Mitarbeiterkosten liegen in der 4- und 5-Sterne-Hotellerie im Durchschnitt bei 35 %, die Benchmark liegt bei 30, der DB III im Durchschnitt bei 22 %, die Benchmark liegt bei 28.“ Durchschnittlich stiegen die Arbeitskosten pro Jahr bis 2016 um 5,6%. Der EU-Durchschnitt liegt bei +1,8%. Deutschland und Italien weisen Zunahmen um jährlich 2,6% aus, Frankreich und Spanien 1,0%, Großbritannien gar nur 0,4%. In Österreich stiegen die Arbeitskosten in der Beherbergung jedes Jahr im Durchschnitt um 3,9 Prozentpunkte stärker als die Inflation.

Öffentliche Hand braucht besseres Kostenmanagement

Doch nur ein Bruchteil der Mehrkosten landet in den Geldbörsen der Mitarbeiter: Laut Statistik Austria stiegen die Arbeitskosten um hohe 5,6 % pro Jahr, die Bruttolöhne und -gehälter dagegen um 4,0%. Sozialbeiträge, Ausbildungskosten und sonstige Aufwendungen stiegen stärker als die Löhne: „Wenn ein Drittel der Mehrkosten nicht bei den Mitarbeitern ankommt, versickert zu viel im System“, fordert Reitterer besseres Kostenmanagement bei der öffentlichen Hand: „Es ist in unser aller Interesse, wenn die neue Bundesregierung und die neuen Köpfe an der Spitze der Sozialpartner dafür sorgen, dass das Geld dort ankommt, wo es hingehört: Bei denen, die hart dafür arbeiten.“

Tourismus- und KMU-Politik neu kann Arbeitsplätze schaffen

Die Erfüllung von ÖHV-Forderungen nach einer Senkung der Steuer- und Abgabenquote auf unter 40 %, der Entlastung des Faktors Arbeit sowie der Rücknahme von Umsatzsteuererhöhung und Abschreibungsdauer sieht Reitterer daher als wichtige Schritte zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus sollen auch die geplante Tourismusstrategie und die angekündigten Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel auf mittlere Sicht Wirkung zeigen: „Seit 2008 ist die Produktivität in Österreichs Hotellerie um 1,2% pro Jahr gesunken, die Lohnstückkosten sind um 0,17 Euro gestiegen und damit stärker als in vielen anderen EU-Ländern. Jetzt müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit wieder steigern. Davon sollen auch die Mitarbeiter profitieren – von sicheren Jobs und steigenden Löhnen und Gehältern.“

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