So ging sächsisch: Selbstzweifel in Sachsen wachsen

Geschrieben von Matthias Burzinski am .

so geht menschlich, kampagne, sachsen

Die Imagekampagne wird heruntergefahren.  Touristiker sorgen sich um die Zukunft der Branche. Negative Schlagzeilen in der internationalen Presse.  Forderungen nach dem Säxit. Der Freistaat muss derzeit einiges aushalten - und wird vielleicht doch gestärkt daraus hervorgehen.

Abgesehen von Klaus Brähmig äußern sich die meisten touristischen Akteure noch zurückhaltend zur Entwicklung in Sachsen: Hat die fehlende touristische Dynamik - gerade im Auslandsgeschäft - auch mit den menschenfeindlichen Ausschreitungen in Sachsen zu tun? Die Vermutung liegt nahe - und doch gibt es auch Sonderbewegungen, die eine klare Analyse noch erschweren, etwa die starken Rückgänge aus dem russischen Quellmarkt, unter denen Dresden leidet.

Dennoch scheinen auch in Sachsen die Zweifel am Selbstbild zu wachsen: Oder wie ist sonst zu erklären, dass die millionenschwere Imagekampagne des Landes unter dem mehrdeutigen Claim "So geht sächsisch" runtergefahren werden soll? Es kann nicht übersehen werden, dass die Ereignisse in Dresden, Heidenau und andernorts international auf den Titelseiten und in den sozialen Medien gelandet sind. Potenzielle Touristen lesen das und es ist präsenter als jede Maßnahme im Rahmen einer Imagekampagne.

Dem enstprechend ist anzuzweifeln, ob eine bloße  Erhöhung von Marketingbudgets einen nachhaltigen Effekt haben wird, im Rahmen welcher Kamapgne auch immer. Dieses Denken ist zu mechanisch und marketingbürokratisch. Ein einziger menschenfeindlicher Anschlag wird dies zunichte machen.

Natürlich kann kein Zweifel bestehen, dass die Mehrheit der Sachsen diesen braunen Mob ablehnt, und dennoch lässt sich Willkommenskultur nicht herbeiwerben. Neben der Ächtung und strafrechtlichen Verfolgung der Menschenfeinde in Sachsen (und andernorts) werden auch noch mehr Selbstzweifel dem Land gut tun. Sie sind Zeichen für eine Auseinandersetzung  - mit dem, was das Land prägt, jenseits des Marketingsprechs.

Vergesst Markenkonzepte und Imagekampagnen, wenn es um Willkommenskultur, Gastfreundschaft und Menschlichkeit geht. Lebt vor, was euer Land menschlich macht. So geht sächsisch - und bayerisch und schwäbisch und friesisch und westfälisch und holsteinisch und rheinisch und und und ...

Viel Erfolg dabei wünscht
Matthias Burzinski